Endlich angekommen
Mein dritter Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen führt mich nach Kapstadt in Südafrika und bringt viel Neues für mich. Ich arbeite erstmals als Epidemiologe in einem HIV/AIDS und Tuberkulose Projekt und – nicht zu vergessen – auch die nächste Fußball WM wird hier stattfinden. Südafrika ist ganz anders, als die Länder, in denen Ärzte ohne Grenzen normalerweise agiert: keine Umweltkatastrophen, Hungersnöte oder Bürgerkrieg. Allerdings hat HIV/AIDS hier, wie in kaum einem anderen Land, den Tod gebracht, Familien zerstört und bedroht die Zukunft mehrerer Generationen.
Ich arbeite in Khayelitsha, einem der größten Townships in Kapstadt mit schätzungsweise einer halben Million Einwohner. 20 bis 30% aller Bewohner von Khayelitsha sind mit dem HI-Virus infiziert. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die lokalen Gesundheitsbehörden im Kampf gegen diese todbringende Epidemie. So werden derzeit rund 13 000 Patienten mit anti-retroviralen Medikamenten behandelt, davon 1000 Kinder. Das Projekt in Khayelitsha ist die älteste von Ärzte ohne Grenzen geleitete HIV/AIDS Intervention und so ist es für mich eine besondere Herausforderung und ein Privileg hier arbeiten zu dürfen. Zu meinen Hauptaufgaben gehört die Überwachung des Programms und auch die wissenschaftliche Arbeit im Bereich HIV/AIDS. Besonders interessant für mich ist die Arbeit in einem der Youth Centers, wo Jugendliche mit Medikamenten gegen HIV/AIDS und Tuberkulose behandelt werden.

Khayelitsha, mein Arbeitsplatz für die nächsten Monate
Ärzte ohne Grenzen hat in Südafrika auch ein Projekt für Flüchtlinge, die vor allem aus dem Nachbarland Simbabwe kommen. Sie werden oftmals Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch und leben unter erschreckenden Bedingungen. Die Teams in Musina und Johannesburg leisten den Flüchtingen medizinische und humanitäre Hilfe.
In vielen Projekten von Ärzte ohne Grenzen leben die Einsatzmitarbeiter dort, wo sie arbeiten. Man lebt, wo das Leid und der Bedarf nach Hilfe am größten ist. Da es allerdings aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist über Nacht in den Townships zu bleiben, wohne ich mit meinen Kollegen, zumeist Ärzten, im Zentrum Kapstadts. Wir teilen uns ein Apartment und so ist das Gemeinschaftsleben recht intensiv. Unter der Woche wechseln wir uns beim Kochen ab und am Wochenende, falls genug Zeit vorhanden ist, organisieren wir den einen oder anderen Ausflug, um auch die schönen Seiten Südafrikas kennenzulernen. Trotz aller Attraktionen dieses Landes bleibt es eine besondere Herausforderung, den großen Kontrast zwischen Khayelitsha und Kapstadt, zwischen Arm und Reich, zu akzeptieren. Die Einwohner Khayelitshas leben zumeist in Wellblechhütten auf engstem Raum zusammengepfercht. Im Gegensatz dazu sieht man im nur 30 Autominuten entfernten Kapstadt die schönsten und größten Häuser, teuersten Autos und die besten Restaurants und Einkaufszentren. Alles was es im Township nicht gibt, kann man auf alle Fälle in Kapstadt finden. Ich habe das Gefühl: Abends lebe ich in „Europa“ und tagsüber arbeite ich in Afrika.
Dann frage ich mich:
Wie werden die Fußballfans, die in wenigen Monaten zur Fußball WM in Südafrika kommen, mit diesem Kontrast zwischen Arm und Reich umgehen?
Kann man die Fußball-WM dazu nuzten, mehr Aufmerksamkeit auf die AIDS-Epidemie und all ihre Folgen zu lenken?
Wollen sich die Fußballfans überhaupt mit diesem Thema auseinandersetzen?
Und werden die Jugendlichen und Kinder mit HIV/AIDS die Fußball WM auch so erleben können wie ich?

In einer großen HIV/AIDS- und TB-Klinik warten Patienten auf ihre Konsultation
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März 5th, 2010 at 22:00
Ich war 1995 dort, aber die Situation dürfte sich nicht verbessert haben. Leider – Nelson Mandela konnte auch nicht dieses Land retten – ich habe ihn life gesehen und gehört- wirklich beeindrucken und so voller Hoffnung – im Alex-Township in Jo-burg – mich hat damals schon dieser Kontrast zwischen Arm und Reich ziemlich “beeindruckt” – ein “Müllsammler” und Bettler vor einem Cartier-Geschaft in Kapstadt – ähnliche Situation in Rio, Sao Paulo, Dar es Salaam…ich hoffe, dass die Ärzte ohne Grenzen weiterhin die erforderliche Unterstützung erhalten, denn sie sind die ersten, die kommen, und die letzten, die gehen, wenn es irgendwo Leid, Hunger und Not gibt! Wir – die wohlsituierten Menschen in den reichen Ländern – müssen aber auch lernen, dass wir unseren Wohlstand einschränken und für die uns so teuren und “lieb-gewordenen” Produkte wie Kaffee, Zucker, Schokolade, Gemüse, Fleisch aus Sojabohnenaufzucht, Biodiesel mit Palmöl, billige Bekleidung, … faire Preise bezahlen oder auf deren Konsum verzichten!!!