Erste Eindrücke aus Maputo
Es freut mich, heute über die ersten Eindrücke meines 2. Einsatzes mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) zu berichten. Ich bin Administration & Human Resources Coordinator für die HIV-Projekte der Schweizer MSF-Sektion in Mosambik. Mein Arbeitsort ist die Hauptstadt Maputo, von hier werden die Projekte in der Provinz Niassa sowie in Maputo selbst koordiniert.
Seit meiner Ankunft in Maputo sind schon 3 Wochen vergangen. Für diesen Einsatz bin ich aber schon seit 1. Februar unterwegs. Mosambik war eine Kolonie Portugals, weshalb die offizielle Amtssprache portugiesisch ist. Ich habe zwar ein gutes Grundwissen lateinischer Sprachen, doch portugiesisch sprach ich bis Februar 2009 nie. MSF offerierte mir einen 2 ½ wöchigen Intensiv-Kurs in Lissabon, welcher mir eine unglaublich gute Basis der Sprache gab. Nach 6 Einzelstunden pro Tag und 1-2 Stunden Hausaufgaben, hatte mein Hirn zwar keine Kapazität mehr Vokabeln zu studieren, aber das kommt jetzt im täglichen Leben hier von alleine. Leider verstand ich die Portugiesen sehr schlecht, da sie extrem schnell sprechen und ein regelrechter Krieg der Buchstaben besteht: die schwachen Buchstaben werden von den starken vernichtet, und somit werden die Wörter nur zur Hälfte ausgesprochen. Zwischendurch plagten mich große Zweifel, dass ich die Sprache wohl nie beherrschen würde. Wie sollte ich meinen Einsatz in Mosambik meistern? Zu meinem Glück erfuhr ich, dass die Mozamikaner viel langsamer und deutlicher sprechen als die Portugiesen. Das kann ich mittlerweile bestätigen. Es liegt auch in der Natur und Mentalität der Menschen. Uff, ich konnte also wieder beruhigter schlafen.
Nach dem Aufenthalt in Lissabon ging es nach Genf. Dort erhielt ich im Hauptsitz 3 Tage lang ein detailliertes Briefing über das Projekt und meinen konkreten Aufgaben. Anschließend an das Briefing fand eine 1-wöchige Human Resources Management Ausbildung in Cartigny statt, an welcher ich ebenfalls teilnahm. Ich bin MSF sehr dankbar für alle diese wichtigen Vorbereitungen. Ich habe sehr viel gelernt und bin für den neuen Einsatz sehr gut gerüstet.
Aber nun zu Mosambik: Das Land gehört zu den ärmsten Ländern der Welt (Platz 172 von 177 gemäss Human Development Index 2007. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 42 Jahren, die offizielle HIV-positiv Rate liegt bei 16% (15-49 Jährige). In bestimmten Regionen – wie Maputo – liegt sie bei erschreckenden 25%! D.h. jeder 4. Einwohner Maputos ist HIV positiv! Diese Zahlen sind erschütternd und schockierend. Zu diesem Elend kommt noch dazu, dass das Land regelmäßig von Katastrophen wie Überschwemmungen und Cholera Ausbrüchen eingeholt wird. MSF begann seine Aktivitäten in Mosambik im 1984, mitten im Bürgerkrieg, welcher von 1975 bis 1992 andauerte. Damals agierte MSF vor allem im Kampf gegen Hunger, Malaria, Cholera, Mangelernährung und lieferte Basis Gesundheitsversorgung. Heute noch hat 50% der Bevölkerung keinen Zugang zu Gesundheitszentren! Die Schweizer Sektion ist seit 2000 im Land tätig. Die Priorität liegt im HIV/TB Bereich, und im Kampf gegen Katastrophen wie Cholera und Überschwemmungen.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in Maputo extrem spürbar und sichtbar. Der Reichtum konzentriert sich eindeutig in der Hauptstadt und die Gegensätze prallen stark aufeinander. Ich war sehr überrascht, gut erhaltene asphaltierte Strassen anzutreffen, grüne Alleen, teure Autos, Shopping Centers, Kinos, Restaurants. Wobei ich außer unserem Wohn- und Arbeitsbezirk noch nicht viel von der Stadt gesehen habe. Auf der anderen Seite verfolgen mich täglich die Augen ausgehungerter Straßenkinder. Bettelnde Hände, Invalide und Obdachlose die im Müll nach Nahrung suchen und Nachts in Kartonschachteln in Hauseingängen quartieren, prägen das tägliche Stadtbild.
Trotz der Armut sind die Mosambikaner ein fröhliches und sehr zuvorkommendes Volk.
Sie lieben das Leben. Besonders von Freitag bis Sonntag wird intensiv gefeiert. Aus den Autos und Wohnungen dröhnt Musik, dass die Scheiben zu brechen drohen und die Wände zittern. Sofern vorhanden, werden Boxen und Verstärker vor die Haustüren auf die Strassen gestellt, und die ganze Nacht durch läuft Musik in voller Lautstärke in der ganzen Stadt. Der Freitag ist für die Mosambikaner (Betonung auf das männliche Wesen ;-) der wichtigste Tag der Woche: Ausgehtag, und das nicht mit der Frau, sondern mit der Freundin…
Es ist Sonntag Vormittag, ich sitze in meinem Zimmer und durch den riesigen Ficusbaum vor meinem Fenster dröhnen Tracy Chapman Songs gemischt mit Gottesdienst-Gesängen, Afrikanischem Funk und mit dem Muezzin Aufruf zum Gebet in das Zimmer. Diese Geräuschkulisse ist einfach fantastisch. Die Nächte sind nicht viel anders. Auch dieses Wochenende hatte ich das Gefühl, mein Bett liege unter der Diskokugel mitten auf einer Tanzfläche. In der westlichen Welt wäre dies undenkbar. Trotzdem komme ich nicht um meine Schlafruhe. Diejenigen, die mich kennen wissen, dass ich einen gesegneten Schlaf habe, und ich bei jedem Lärm ungestört schlafen kann :)
Mein drittes Wochenende in Mozambique geht schon zur Neige. Ich freue mich auf die neue Woche, und bin gespannt welche Überraschungen sie bringen wird. Noch bin ich ziemlich überfordert was meine Arbeit anbelangt. Täglich kommen neue Probleme hinzu. Meine „To Do“-Liste hat schon eine erschreckende Länge erreicht und ich frage mich, wann ich beginnen kann, die Dinge abzuarbeiten. Es war mir in den ersten 3 Wochen auch nicht möglich, die Komplexität der Behördengänge zu verstehen. Das kann von Tag zu Tag nur besser werden. Als Wochenendlektüre habe ich mir das neue Arbeitsrecht vorgenommen. Wir haben ein Problem mit einem Mitarbeiter, und müssen rasch möglichst einen Entscheid treffen. Ich musste leider feststellen, dass das Arbeitsrecht extrem generell und unkonkret beschrieben ist. Ich werde wohl trotzdem unseren Rechtsanwalt konsultieren müssen. Hinzu kommt, dass unser Express-Kurierdienst letzten Freitag eine Sendung verlegt hat. Leider ist es nicht einfach eine Sendung, sondern es handelt sich um wichtige Dokumente, welche wir dringend benötigen, um ein Visum fuer eine Mitarbeiterin zu beantragen. Ich werde morgen früh zu erster Stunde persönlich im Büro des Kurierdienstes erscheinen müssen (denn Wochenend-Dienst gibt es hier keinen…). Somit wird die neue Woche beginnen, wie die letzte aufgehört hat…

Mein Arbeitsplatz
März 26th, 2009 at 21:08
hallo daniela,
du bist einfach toll! super wie du alles meisterst. viele liebe grüße aus dem noch nicht fruehlingshaften wien. und btw du siehst fantastisch aus!!!
glg eva
März 30th, 2009 at 08:51
hallo daniela
danke für deinen genauen bericht. ich freue mich jetzt regelmäßig von dir und deiner arbeit und deinen eindrücken zu lesen. viel glück beim kampf mit der bürokratie. ich werde den bericht an alle verwandten und bekannten, die sich immer nach dr erkundigen weiterleiten.
Viele bussi und grüsse Monika
März 30th, 2009 at 14:09
Ma chère Daniela
C’est toujours un grand plaisir de te lire. Tes commentaires concernant la population et leurs maladies donnent à réfléchir. Je crois que nous sommes tous très fiers de ta mission particulièrement difficile que tu es en train d’accomplir.”La liberté est l’oxygène de l’âme”. Bon courage!
Gros bisous Dieter
März 31st, 2009 at 21:13
mi hermanita,
ein genialer blog, toll dass du dir das antust! will immer mehr mehr mehr über maputo wissen, und natürlich die msf-projekte, und und und … !
abrazo y besito,
alenita
April 6th, 2009 at 07:36
Hallo Daniela,
vielen Dank für diesen interessanten Bericht. Deine Ausgabe ist vielleicht nicht so bekannt wie die von Ärzten und Schwestern im Feld, aber genau so wichtig und auch nicht einfacher! Ich wünsche dir alles gute für deinen Einsatz,
Corinne
Vorstand MSF-AT
Mai 14th, 2009 at 22:55
Hallo Daniela
Wie schön auf diese weise etwas über deine interessante Tätigkeit zu erfahren.Ich wünsche dir viel Glück,Geduld und Ausdauer dabei.Ich weiss (Max war ja auch einige male in Afrika tätig)dass es sehr oft nicht einfach ist.
Liebe Grüsse
Heidi