Computerkurs im Hopital Central
Als medizinische Organisation setzt sich MSF selbstverständlich auch für die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter und deren Familienangehörigen ein. Die interne Gesundheitspolitik wird gerade zwischen der medizinischen Koordinatorin und der Administration aktualisiert. Als Referenzspital für unsere Mitarbeiter soll in Zukunft das HCM (Hopital Central de Maputo) unsere 200 nationalen Mitarbeiter sowie deren Familienmitglieder in Krankheitsfällen medizinisch betreuen. Ein Vertrag wurde mit dem Spital schon vor meiner Ankunft in Maputo entworfen. Seit ich in Mozambique bin, versuchte ich, einen Termin mit der verantwortlichen Person im Spital zu vereinbaren, um die letzten Änderungen zu diskutieren. Dies gelang mir endlich vor wenigen Tagen. Voller Zuversicht, den Vertrag noch am selben Tag finalisieren und unterschrieben ins Büro mitnehmen zu können, fuhren meine Kollegin und ich ins Spital und kamen pünktlich zur Verabredung. Die Diskussion verlief reibungslos, der Finanzdirektor war mit unseren Änderungen einverstanden und bat seine Assistentin, den Vertrag gleich zu adaptieren. Alles verlief also ganz nach meinen Vorstellungen.

Panoramablick auf das Hopital Central Maputo
Die Assistentin bat uns, mit ihr in ihr Büro mitzugehen, um ihr die Änderungen nochmals zu erklären. Wir folgten ihr gerne. Kaum hatte sie sich an den Schreibtisch gesetzt, verstand ich, dass sie noch nie an einem Computer gearbeitet hatte. Mit „Zweifinger“-System tippte sie auf der Tastatur herum, und brauchte 3 Anläufe um die korrekte Taste zu treffen. Zu zweit standen wir also hinter der Dame und erklärten ihr, wo sich welcher Apostroph und Akzent befindet und welchen man mit „Shift“ und welchen mit „Ctrl/Alt“ oder mit „Insert/Symbols“ findet. Auch erklärte ich ihr wie man Text-Teile durch „Copy/Paste“ nicht zweimal niederschreiben muss. In der portugiesischen Sprache war meine Kollegin Ligia eine sehr gute Lehrerin, sie erklärte ihr wo ein Beistrich hingehört, und wo nicht, und korrigierte sie in der Grammatik. Meine Geduld hing an einem ganz dünnen Faden, denn ich dachte an all die Arbeit die im Büro wartete und es war mir bewusst, dass ich auch an diesem Abend meine erste Yoga Stunde nicht wahrnehmen konnte. Doch die Mitarbeiterin des Spitals hatte einen unglaublichen Willen und wollte alles über Word wissen. Noch dazu bewahrte sie eine unglaubliche Ruhe. Ich bewundert sie und konnte ihr diese Arbeit einfach nicht abnehmen, es weigerte sich etwas in mir, was stärker war als ich..
Diese erste „MSF Computer Stunde“ dauerte 1 Stunde, danach mussten nur noch 2 Exemplare des Vertrages gedruckt werden. Aber oje, nachdem die Druckaufträge ohne Reaktion blieben, stellte ich fest, dass der Drucker nicht konfiguriert war. Also noch eine Zusatzlektion für die Assistentin. Endlich war auch der richtige Drucker konfiguriert. Aber was folgte nun? Wer kennt das Gesetz der Serie nicht? Natürlich entstand gleich beim ersten Druck ein Papierstau…
Endlich endlich hatten wir 2 fehlerfreie neue aktuelle Exemplare des Vertrages in Händen. Was für ein tolles Gefühl! Es fehlte also nur noch die Unterschrift des Verantwortlichen. Stolz ging die Mitarbeiterin mit dem Vertrag ins Büro ihres Chefs. Nach 5 Minuten kam sie mit dem nicht unterschriebenen Vertrag zurück und erklärte uns, dass der Vertrag vom Administrativen Direktor unterschrieben werden müsse, doch leider befände sich dieser gerade auf Urlaub…
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Juni 1st, 2009 at 21:52
liebe msf leute,
habe drei jahre im hcm gearbeitet und kenne ähnliche, teils schon kafkaeske situationen, v.a. im vertragsumfeld.
allerdings war der grosse unterschied zu durchaus auch bei uns vorkommenen ähnlichen situationen der immer vorhandene charme, der alles erträglicher machte.
zur kompetenz des personals kann ich nur sagen, dass diese teils, v.a. in ärztlichen und pflegerischen funktionsbereichen, sehr hoch war (und ist)und häufig sehr wohl auf gleichem stand wie in deutschland, mindestens aber welten besser als in vielen umliegenden ländern.
die kombination von portugiesischem und sozialistem erbe in der bürokratie noch verstärkt durch die allgemein langsamere afrikanische gangart (manchmal ja auch sehr angenehm) muss man einfach erkennen und akzeptieren.
im übrigen habe ich bei einem kürzlichen besuch im hcm enorme verbesserungen wahrnehmen können und bin der überzeugung, dass eure personal versorgung dort sehr kompetent sein wird. stefan