Einsatz in Mosambik
Eindrücke aus Maputo

Archiv für Mai 25, 2009

Besuch der Projekte Chamanculo und Alto Maé

Mai 25, 2009 | admin

Zwei unserer Projekte befinden sich unweit des Koordinations-Büros in Maputo, keine 20 Fahrtminuten entfernt von hier. Das hat den Vorteil, dass unsere Kollegen im Projekt durch die Nähe schnell erreichbar sind und bestimmte Themen schnell behandelt und erledigt werden können. Die Nähe bringt aber auch Nachteile mit sich, denn es besteht die Gefahr, die Besuche nicht genug vorauszuplanen und effizient zu gestalten, wie man es tut, wenn ein Projekt z.B. 1.000 km von der Hauptstadt entfernt ist. Ich habe versucht, nicht in die Falle zu geraten, was mir auch zum Teil gelungen ist. Obwohl ich die Gesundheitszentren schon für zwei Meetings besucht hatte, habe ich mir dieses Mal Zeit genommen, meinen ersten „offiziellen“ Besuch gut zu planen.

Mitarbeitermeeting im Gesundheitszentrum Chamanculo

Mitarbeitermeeting im Gesundheitszentrum Chamanculo

Deshalb hat es auch relativ lange gedauert, bis mein erster Besuch in Chamanculo und Alto Maé endlich stattgefunden hat. Das Hauptziel meines Besuches war die Unterstützung im Administrativen Bereich sowie die Abläufe im Projekt zu verstehen, zu analysieren „wer-macht-was“ im Projekt und „wer-macht-was“ in der Koordination. In der Zeit seit ich in Maputo bin hatte ich feststellen müssen, dass sehr viele Arbeiten von der Administrativen Abteilung in der Koordination erledigt werden, welche meines Erachtens von den Administratoren in den Projekten bearbeitet werden könnten. Die Erarbeitung einer klaren Aufgabenaufteilung zwischen Koordination und Projekt kommt also auch auf meine „To do“ Liste hinzu. Ich schaute unter anderem, ob alle Standardunterlagen im Projekt vorhanden sind, wie die Rekrutierung neuer Mitarbeiter abläuft, wie ist der Prozess bei Disziplinärverfahren, wie sind die Mitarbeiterunterlagen abgelegt, wie regelmäßig werden Mitarbeiterbeurteilungen durchgeführt, etc. Sehr wichtig war mir auch, von den Assistenten zu hören, ob sie mit der Unterstützung der Koordination zufrieden sind sowie Verbesserungsvorschläge mit ihnen zu diskutieren.  Leider musste ich auch erfahren, dass der letzte „offizielle“ Projekt-Besuch der Admin. Abteilung der Koordination (abgesehen von ad’ hoc Meetings) im Juli 2008 stattgefunden hatte, was bei weitem nicht genügend ist.

mit Assistenten Adildeto in Alto Maé

mit Assistenten Adildeto in Alto Maé

Es war mir unter anderem auch ein großes Bedürfnis, die Gesundheitszentren zu besuchen und die Patienten zu spüren, denn als Administratorin sitzt man tagtäglich im Büro und ist sehr weit von den Patienten entfernt.

Die Kanadische Krankenschwester Isabelle hat mich herzlichst in Chamanculo empfangen und mich durch das Gesundheitszentrum geführt, das von Patienten überfüllt war. Viele Patienten kommen zu Fuß von sehr weit her, manche marschieren bis zu 6 Stunden für einen Weg, und nicht zu vergessen dass sie z.T. schwer krank sind. Ich war am meisten berührt von den vielen Müttern mit Kindern, die beim „HIV Testing“ waren. Isabelle hat mir das System der Registrierungen erklärt. Die Kontrolle über die Regelmäßigkeit der Konsultationen ist sehr wichtig. Kommt ein Patient am angegebenen Tag nicht zur Konsultation, wird versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Da die allerwenigsten ein Telefon besitzen, suchen unsere Mitarbeiter – die sogenannten „Conselheiros“ – die Patienten direkt in deren Domizil auf und klären sie über die Wichtigkeit der Regelmäßigkeit auf. Eine der unzähligen Kinderkarten am Stapel wies ein Negativ-Resultat auf! Es herrschte große Freude unter allen Mitarbeitern, denn solch ein Resultat ist in Mosambik, einem der Länder mit den höchsten HIV Positiv-Raten, eine Seltenheit. Babys infizieren sich meist bei der Geburt, und Kaiserschnitte sind hier eine Seltenheit. In der westlichen Welt sind solche Umstände unvorstellbar.

Gesundheitszentrum Alto Maé

Gesundheitszentrum Alto Maé

Ein sehr berührendes Gespräch durfte ich mit unserem „Expert Patient“ Sousa führen. Ich sah ihn das erste Mal letzten November in Wien bei der MSF-Ausstellung „Second Live“ im Leopold-Museum. Damals lernte ich ihn jedoch nicht persönlich kennen, sondern bewunderte ihn auf Fotos und war sehr berührt von den Bildtexten, die sein Leben mit AIDS erläuterten. Nun durfte ich ihn persönlich im Gesundheitszentrum Chamanculo kennen lernen.

Er hat mir seine Geschichte erzählt. Die ersten Symptome sind im 1996 aufgetaucht, als er an Tuberkulose litt. Erst im Jahr 2000 hat er auf Rat eines Arztes von Ärzte ohne Grenzen im Gesundheitszentrum von Chamanculo den Test gemacht, und das Resultat war leider positiv. Sein Leben wurde zum Albtraum, denn Diskrimination war noch höher als sie heute in Mosambik noch immer ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Antiretrovirale Medikamente (ARV) und in der Gesellschaft war das Wort „HIV“ dem Wort „Tod“ gleichgestellt. Er selber dachte jede Nacht, dass er den nächsten Tag nicht erleben würde. Heute ist Sousa ein starker Mann; er ist „Expert Patient“ und hält jeden Tag um 6.30 einen Vortrag im Gesundheitszentrum Chamanculo. Er erklärt von seiner eigenen Erfahrung und ermuntert die Leute, den Test zu machen. Er ermuntert sie, dass es ein Leben mit AIDS gibt und zeigt ihnen sein eigenes lebendes Beispiel.

Dank Expert Patients wie Sousa wird das Thema AIDS in die Öffentlichkeit gebracht. Er gibt Interviews und führt Vorträge an Schulen und Universitäten durch. Nach der ersten Informations-Veranstaltung, die täglich im Gesundheitszentrum um 6.30 stattfinden, gehen die Patienten zum Testing. Danach werden sie von Psychologen aufgeklärt, was genau Aids ist und wie es behandelt wird. Dank Antiretroviralen Medikamenten (ARV) kann man heute sehr lange mit AIDS leben, vorausgesetzt die Medikamente werden regelmässig und korrekt eingenommen.

Mit Bildern werden die Patienten aufgeklärt:

foto4

Antiretrovirais (ARV) sind Medikamente die verhindern, dass sich das HIV Virus im Körper vervielfacht

In diesem Fall ist die Behandlung nicht erfolgreich, das HIV Virus ist stärker als die Behandlung ARV

In diesem Fall ist die Behandlung nicht erfolgreich, das HIV Virus ist stärker als die Behandlung ARV

Einen in Mosambik entstanden Film zur ARV-Behandlung kann man unter folgendem Link ansehen:
http://www.msf.ch/fileadmin/user_upload/uploads/videos/2008/2008_02_08_seconde_vie/2008_02_07_msf_seconde_vie_04.html

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