Angekommen in Uganda…
Mein Flugzeug ist am Mittwoch den 10. Dezember in Entebbe (Kampala) gelandet. Dort hat mich ein Taxifahrer abgeholt und in das Ärzte ohne Grenzen-Guesthouse in Kampala gebracht. Am nächsten Tag ging es dann los mit den Briefings durch das Koordinations-Team: Als erstes traf ich Habtamu, den Logistik-Koordinator auf Hauptstadt-Ebene. Er wird während meines Einsatzes mein direkter Ansprechpartner bezüglich Logistik sein. Dann habe ich mit Janet gesprochen, der medizinischen Koordinatorin, die für alle medizinischen Fragen im Zusammenhang mit den MSF-Projekten in Uganda zuständig ist. Als nächstes kam Kodjo, der Einsatzleiter für Uganda und in dieser Funktion gesamtverantwortlich für unsere Einsätze in Uganda. Es war ein sehr interessantes Gespräch, das mir eine ganz neue Sicht auf meine zukünftige Arbeit in Karamoja gab. Der Letzte, der mich mit Informationen fütterte, war Ambrose, der Finanzkoordinator, der sich um alle finanziellen Angelegenheiten kümmert.
Am Freitag früh ging’s dann mit einem Fahrer nach Tokora, eine schöne siebenstündige Fahrt durch verschiedene Regionen Ugandas. Jetzt richte ich mich langsam in Tokora, meiner Heimat für die nächsten Monate, ein. Als erstes versuche ich, alle Mitarbeiter kennenzulernen, zu schauen wer wofür verantwortlich ist, wer wann arbeitet und so weiter.
Das Projekt ist bereits gut eingespielt. Wir haben ein therapeutisches Ernährungszentrum innerhalb eines ugandischen Gesundheitszentrums, wo wir schwer unterernährte Kinder behandeln. Außerdem betreiben wir ein ambulantes Ernährungsprogramm mit zehn Außenposten. Dort fahren wir zu fixen Zeiten mit unseren Autos hin, um therapeutische Nahrung an unsere Patienten auszugeben und Kinder auf ihren Ernährungszustand zu untersuchen und sie, falls sie schwer unterernährt sind, in das Ernährungszentrum aufzunehmen. Zusätzlich zu unserem Projekt in Tokora haben wir hier in der Region Karamoja einen weiteren Stützpunkt in Matany, von wo 14 weitere Außenposten angefahren werden.
Unterernährung ist in Karamoja zwar ein wiederkehrendes bzw. chronisches Problem, doch heuer ist die Lage besonders schlimm: Aufgrund einer großen Dürre konnten die Menschen nichts anbauen und nicht genügend ernten, um ihre Vorräte aufzufüllen. Mit unserem Programm zielen wir auf die Verringerung der durch Nahrungsmittelmangel verursachten Todesfälle, besonders bei Kindern unter 5 Jahren, die am stärksten gefährdet sind.
So weit läuft es gut, und die Zahl der Patienten beginnt zu sinken. Derzeit kümmern wir uns in den beiden Projekten Matany und Tokora um insgesamt ungefähr 1200 Patienten. Außerdem beobachten wir die Ernährungssituation genau, damit wir reagieren können, falls sich die Lage erneut verschlechtert.
Gemeinsam mit meinem Assistenten, Peter, bin ich für unsere medizinischen und logistischen Vorräte und den gesamten Nachschub verantwortlich. Dazu gehören Medikamente, therapeutische Nahrung, aber auch Hilfsmittel wie Computer, Werkzeug, Funkausrüstung, Autos und anderes. Jeden Tag in der Früh beginnen wir mit einem kurzen Briefing, damit das Team über die Pläne für den Tag am Laufenden ist. Wir fragen bei der Gelegenheit auch nach, ob einer unserer lokalen Mitarbeiter irgendwelche Gerüchte im Zusammenhang mit der Sicherheitslage gehört hat, denn gemeinsam mit dem Projekt-Koordinator muss ich sicherstellen, dass unsere Fahrten und unsere Arbeit sicher sind. Im Moment ist die Sicherheitslage ruhig und wir können unsere Arbeit ungehindert durchführen.
Zu meinen Aufgaben zählt auch die Kommunikation. Kommunikation ist ein wirklich wichtiges Thema, zum Beispiel um die aktuellen Standorte unserer Autos mitzuverfolgen und einen Überblick darüber zu behalten, was außerhalb unseres Stützpunktes, der „Base“, passiert. Die Kommunikation erfolgt über HF/VHF Funk, Handys und Satellitentelefone. In Tokora haben wir das Glück, meistens mit normalen Handys durchzukommen.
Während des Tages kümmere ich mich dann um alle mögliche administrative Arbeit, da mein Job auch die Abrechnung der Gehälter unserer lokalen Mitarbeiter, die Verwaltung von Gehaltsvorschüssen und so weiter beinhaltet. Gott sei Dank habe ich Peter an meiner Seite, der mich sehr stark unterstützt und viele der administrativen Aufgaben übernimmt.
Normalerweise sollten wir um 5 Schluss machen, aber meistens bleiben wir länger, um die „ruhige“ Zeit am Abend zu nützen und alles fertig zu machen, wozu wir im Laufe des Tages nicht gekommen sind.
So sieht also mein durchschnittlicher Tag hier aus.. Jetzt freue ich mich schon sehr darauf, zum ersten Mal mit dem Team, das die ambulanten Ernährungsprogramme betreibt, hinauszufahren und zu sehen, was außerhalb der „Base“ passiert…




