Karamoja Log
Als Logistiker in Uganda

Archiv für Dezember 29, 2008

Karamojong Party

Dezember 29, 2008 | admin

Am 20. Dezember erreichte ein Brief vom Verantwortlichen des staatlichen Gesundheitszentrums, in dem unser Projekt angesiedelt ist, unser Büro. Es war eine Einladung zu einer Weihnachtsparty, mit allen Verantwortlichen und Angestellten der Gesundheitsbehörden in Tokora, zu der auch Ärzte ohne Grenzen geladen waren.

Da unser Projektkoordinator gerade nicht in Tokora war, ging ich hin, gemeinsam mit Jeanette, der deutschen Ärztin aus unserem Team. Später kam noch Sheikh vorbei, ein Krankenpfleger aus Sierre Leone und Team-Leader in unserem Projekt, und leistete uns Gesellschaft.

Als wir ankamen war die Party bereits im Gang, es waren ungefähr 40 Gäste anwesend, und als wir den Raum betraten schnappten uns die Gastgeber und brachten uns zu unseren Plätzen ganz vorne vor den anderen Gästen. Es gab Lautsprecher und ein Mikrophon und wir wurden offiziell begrüßt und von allen sehr freundlich willkommen geheißen.

Zu trinken gab es „NGAGWE“: Ein riesiger Tontopf mit einem lokalen Gebräu, einer fermentierten Mischung aus Sorghum (eine Hirseart), Wasser und anderen Zutaten. Das ganze wird  laufend mit heißem Wasser aufgefüllt. Das Besondere ist, dass man sich auf ganz bestimmte Art vor dem Tontopf niederlegen muss und dann das Ngagwe von einer speziellen Person serviert bekommt. Ich wurde aufgefordert, das zu machen und wollte zunächst den Älteren den Vortritt lassen, doch dann kam einer von ihnen zu mir, nahm mich bei der Hand und führte mich zu dem Topf. Das Getränk schmeckt nicht unähnlich wie österreichisches Bier, und nach dem ersten Schluck war klar, dass man damit sehr vorsichtig umgehen muss :-))

Nach dieser Zeremonie legte ein DJ sehr nette Karamojong Music auf und die Frauen begannen zu tanzen. Nach kurzer Zeit stiegen einige Männer ein, und bald darauf war die Tanzfläche voll mit Leuten, die zu dieser super Musik tanzten. Die erste von uns war Jeanette, die Ärztin, und es sah aus als hätte sie großen Spaß dabei. Dann kam Sheikh aus Sierra Leone dazu, der weiß, wie man zu afrikanischer Musik tanzt.

Ich genoss in der Zwischenzeit die Party, plauderte mit ein paar Leuten über dies und das, als plötzlich eine Frau auf mich zu kam. Es war klar dass sie tanzen wollte und alle Leute schauten auf mich und fragten sich, was ich tun würde. Wir fingen an zu tanzen, die Leute klatschten, einige tanzten mit und plötzlich war ich von tanzenden Frauen jeden Alters umgeben, und wir hatten riesigen Spass.

Die Party ist voll im Gang

Die Party ist voll im Gang

Die Party war eine super Einführung in die Karamojong Kultur. Die Menschen hier sind sehr stolz darauf nicht nur Ugander, sondern besonders Karamojong zu sein. Sie haben viel gelitten, haben Dürren, Viehdiebstahl, Hunger und Mangelernährung durchgemacht. Trotzdem haben sie nicht verlernt zu feiern, wann immer sie die Chance dazu haben, und wie man Gäste willkommen heißt und ihnen das Gefühl gibt, hier zu Hause zu sein und dazu zu gehören.

Am 22. Dezember organisierten wir dann unsere eigene Weihnachtsfeier mit den Angestellten unserer Klinik. Wieder war es eine Gelegenheit für mich, zu tanzen (für die die mich kennen: Wirklich! Manchmal macht sogar mir das Tanzen Spass :) )

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