Weihnacht – Neujahr
Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr war recht interessant. Mein erstes Weihnachten in Afrika und dann noch in einer so speziellen Kultur wie die der Karamojong. Die meisten Menschen in Karamoja sind streng katholisch und verwenden viel Zeit dafür, in die Kirche zu gehn und zu beten.
Für mich waren die Weihnachtsfeiertage diesmal eher Erholung und Ruhe. Ist schon interessant, dass man anscheinend nach Afrika fahren muss, um die Weihnachtsfeiertage ruhig und besinnlich angehen zu können… Jeanette, unsere Ärztin, war gerade auf Urlaub und machte ein Trekking zur ruandischen Grenze um dort Berggorillas in freier Wildbahn zu erleben. Sheikh, der Teamleader, und ich verbrachten die Weihnachtsfeiertage zusammen mit dem zweiten Team unseres Projektes aus dem nördlich von uns gelegen Matany. Es war sehr nett; wir haben zusammen gegessen, etwas Wein genossen, auf Weihnachten in Afrika und unsere Lieben zu Hause angestoßen.
Zu Silvester waren Sheikh und ich allein; das zweite Team fuhr zurück nach Matany.
Den Sprung ins neue Jahr erlebte ich ganz schön aufregend. Ich war bereits am Schlafen, als ich um kurz vor zwölf am 31. Dezember wach wurde. Es war Riesenlärm und ich sprang in meine Kleider um nachzusehen was da los war. In meinem Kopf stiegen Bilder von Warriors auf, die unseren Compound überfallen wollen. Unser Guard, Simon Peter, rief ständig irgendwas auf Karamojong, ich hörte lautes Schlagen und als ich endlich in meine Sachen und aus dem Haus kam, fand ich ihn tanzend und rufend vor unserem Haus. Er lachte und erklärte ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Alles sei OK. Die Karamojong feiern den Sprung ins neue Jahr einfach etwas wilder als wir und was immer sie an Gegenständen finden, wird als Trommel oder Krachmacher benutzt. Nach einiger Zeit beruhigte ich mich wieder und ging zurück ins Haus. Geschichten von mindestens 20 Toten pro Jahr über die Weihnachtsfeiertage verblassten. Noch im Vorjahr war es undenkbar über die Feiertage das Haus zu verlassen nachdem es dunkel war. Leute wurde ausgeraubt und noch schlimmeres, wenn sie nicht sofort alles Hab und Gut aufgaben. Auf jeden Fall war es mal etwas völlig anderes für mich. Aufregung pur, manchmal echte Angst, vermischt mit ständig wachsendem Interesse an der Kultur und Lebensweise der Leute hier.
Unser Projekt läuft sehr gut. Das Team, das das ambulante Ernährungsprogramm betreibt, fährt ständig die umliegenden Dörfer an, um die Patienten dort zu versorgen bzw. schwer Unterernährte in das stationäre Ernährungszentrum (ITFC) in unserere Basis zu bringen.
Im stationären Ernährungszentrum gibt es zur Zeit ca. 10 Kinder, die intern versorgt werden. Es sind Kinder, die entweder sehr stark unterernährt sind, oder zusätzlich zur Unterernährung noch Krankheiten haben. Tuberkulose, Malaria, HIV/Aids oder Dehydration sind nur einige davon.
Anfang Jänner hatten wir auch ne kleine Impfkampagne hier im ITFC. Wir hatten Hepatitis-B Impfstoffe aus Kampala bekommen, die für unsere lokalen Mitarbeiter gedacht sind. Als Logistiker war ich nun voll im Geschäft und konnte ne kleine ColdChain einrichten, um den Impfstoff davor zu bewahren, zu warm zu werden. Im Regelfall werden die Impfstoffe zusammen mit gefrorenen Kühl-Akkus in speziell isolierte Boxen gepackt und aus diesen Boxen heraus verabreicht.
War schon ganz witzig Menschen zu sehen, die noch nie geimpft wurden. Einige unserer Guards, komischerweise diejenigen, die sonst am härtesten wirkten, kamen zu mir und wollten wissen wie sehr es denn schmerzen werde, mit diesen langen Nadeln in den Oberarm gestochen zu werden. Ich konnt’s mir natürlich nicht verkneifen ihnen zu sagen, dass ich mich nicht daran erinnern kann, weil bei uns speziell dieser Impfstoff Kleinkindern verabreicht wird um ihnen die Möglichkeit zu geben, diese unerträglichen Schmerzen bis ins Erwachsenenalter wieder zu vergessen. Sie sprangen voll darauf an und ich hatte alle Hände voll zu tun, mich irgendwie unter Kontrolle zu halten, nicht loszulachen.
Im Endeffekt ging alles gut, kein Wehklagen der Anwesenden, allenfalls vor Lachen stöhnende Zuseher und nach 2 Stunden war der ganze Spuk auch wieder vorbei.
Für mich ist nun Feierabend und ich hau ab ins Guesthouse. In Uganda sagt man “Let’s call it a Day and we shall meet tomorrow”



Februar 18th, 2009 at 11:55 pm
hi no amoi,
klingt als hättest eh ganz schön eine verantwortung.
i hätt gern die gsichter von den leute gsehn, wenn die nadel näher kommt – und vor allem auch dein gesicht.
liebe grüsse von daham – saukoit vü schnee – hobe die ehre
GreX