Renovierungsarbeiten im Krankenhaus
Unser Ernährungsprojekt in Karamoja läuft sehr gut und Ärzte ohne Grenzen hat sich für dieses Projekt spezielle Ziele gesetzt: Anfang Februar 2008 wurde eine Ernährungsstudie in Karamoja gemacht, um herauszufinden, wie der Ernährungszustand der Kinder hier ist. Man fand heraus, dass die GAM (Global Acute Malnutrition Rate) bei 15,1% der gesamten Bevölkerung liegt – das heißt, dass 15,1% von allen untersuchten Kindern beim MUAC-Test gelb oder rot abschnitten. Der MUAC-Test wird mit einem speziellen Armband durchgeführt, das den Oberarmumfang bei Kindern zwischen 1 und 5 Jahren misst. Das MUAC Band hat einen grünen, einen gelben und einen roten Bereich. Der grüne Bereich geht von 21cm bis 12,5cm Oberarmumfang. Der gelbe Bereich von 12,5cm bis 11cm und der rote Bereich liegt unter 11cm. Wenn Kinder im gruenen Bereich sind, spricht man von ausreichendem Ernährungszustand. Im gelben Bereich sind die Kinder moderat unterernährt, und im roten Bereich spricht man von akuter Mangelernährung. Der Oberarm eines Kindes im roten Bereich entspricht etwa dem Umfang des Inneren einer kleinen Tixo-Rolle.
Wenn Kinder im roten Bereich sind, muss man sofort reagieren. Das Immun-System dieser Kinder ist meist völlig geschwächt und die Kinder laufen Gefahr, zusätzlich zur Unterernährung auch noch Krankheiten wie Malaria, Diarrhoe, Tuberkulose oder ähnliches zu bekommen. Diese Kinder werden in den Dörfern von dem sogenannten ATFC (Ambulantes therapeutisches Eranährungszentrum)-Team identifziert und mitsamt ihren Müttern ins ITFC (Stationäres Therapeutisches Eranährungszentrum) zur Behandlung gebracht.
Dort werden die Kinder speziell ernährt und solange behandelt, bis sie den Kriterien zur Entlassung aus dem ITFC entsprechen. Danach können die Mütter sie wieder nach Hause bringen.
Kinder, die nicht extrem unterernährt und zum Beispiel im gelben oder grünen Bereich des MUAC-Bandes sind, werden in ihren Dörfern mit spezieller Nahrung für eine Woche versorgt.
Wir hatten in der Zeit von Anfang Juli 2008 bis Ende Jänner 2009 in den beiden Projekt-Standorten, Tokora und Matany, ca. 12900 Kinder in Behandlung. Ärzte ohne Grenzen betreute in Karamoja 24 Dörfer und lieferte ca. 1800 akut unterernaehrte Kinder in unsere ITFC-Klinik in Tokora zur Behandlung ein.
Es gibt auch einige ganz “spezielle” Patienten darunter, die ich bestimmt in Erinnerung behalten werde. So waren zum Beispiel Zwillinge bei uns in Behandlung, die in sehr schlechtem Zustand zu uns kamen. Sie wurden gegen Unterernährung und Malaria behandelt und einer der beiden sprach auch sehr gut auf die Behandlung an. Der andere hatte ständig Fieberschübe und wollte nicht auf die Behandlung ansprechen. Der Ernährungszustand besserte sich kaum und unsere Ärztin hatte echt alle Hände voll zu tun, das Problem in den Griff zu bekommen. Beide wurden entlassen nachdem der Schwächere am Ende auf Tuberkulose behandelt wurde und das Fieber verschwand.
Auf jeden Fall waren die beiden echt süss und unglaublich aufmerksam. Manchmal nehmen schwer unterernährte Kinder ihre Umgebung kaum wahr, weil ihr körperlicher Zustand so schlecht ist. Diese beiden aber verfolgten ständig alles was in der Basis passierte. Ob nun unser ATFC-Team aus einem der Dörfer zurückkam, oder das Logistik-Team etwas an den Gebäuden renovierte, man konnte sich den wachsamen Augen der beiden kaum entziehen.
Mit Ende Jänner haben wir es geschafft, die GAM-Rate von 15,1% auf 8,4% zu senken. Das Ziel war unter 10% zu kommen. Die akute Unterernährung wurde von 2,2% auf 1,9% gesenkt.
Somit sind für Ärzte ohne Grenzen ausreichende Kriterien erfüllt, um über eine Übergabe des Projektes ans staatliche Gesundheitsministerium nachzudenken.
Im Moment übergeben wir ein Dorf nach dem anderen an staatliche Strukturen, die unser Programm dann weiterführen werden. Unser Ernährungszentrum (ITFC) soll mit Mitte Februar an das Krankenhaus, in dessen Areal wir uns hier befinden, übergeben werden.
Da komme ich als Logistiker dann wieder voll ins Spiel. Wir haben zusammen die Räumlichkeiten definiert, in denen das ITFC dann weitergeführt werden soll. Es ist die jetzige Kinderabteilung des Krankenhauses, die dafür aber speziell adaptiert werden muss. Um zu sehen, was alles gemacht werden muss bevor wir übergeben können, machte ich mich zusammen mit unserem neuen Arzt, Jonathan, auf um das ganze zu begutachten.
Als wir in den Kinderbereich kamen, war es erstmal ein Schock für uns Beide. Der Raum besteht aus 16 Betten, in denen zur Malaria-Zeit zwischen 50 und 60 Kinder betreut werden. Die Kinder schlafen dann einfach quer über die Betten; zusammengepfercht. Die Wände sind farblos, die Decke des Raumes völlig durchlöchert, einige der Fenster zerborsten, keinerlei Insektengitter oder Mosquito-Netze (beides völlig unverzichtbar in der Malaria-Saison), kein funktionierendes Licht, die Matratzen auf den Betten durchlöchert und schmutzig, keine Bettwäsche oder Decken.
Mir kam es fast vor, als wäre es unmöglich, hier ein funktionierendes Krankenhaus zu betreiben; und doch schaffen es die Krankenschwestern vor Ort auch unter schwierigsten Bedingungen, ihre Patienten zu versorgen. In dem Hospital werden auch sehr komplizierte Krankheiten wie etwa Tuberkulose, oder etwa auch sehr schwere Verletzungen behandelt. Dies alles kann auch mit einfachsten Mitteln funktionieren.
Für Jonathan und mich war sofort klar, dass da einiges an Arbeit auf uns zu kommt. Wir gingen also durch die Räume und schrieben alles auf, was wir verbessern wollten. Die fertige, und seeehr lange Liste gingen wir dann mit den restlichen Teammitgliedern durch um sicher zu gehen, dass wir auch nichts vergessen hatten.
So weit so gut – ich werde die Liste nun ans Koordinationsteam in Kampala schicken und drauf warten, dass sie uns von dort grünes Licht (und vor allem Budget) geben, um los zu legen.
In der Zwischenzeit werde ich vom Büro ins Guesthouse gehen und erstmal was Essen und mich etwas ausruhen. Heute war wieder ein anstrengender Tag, aber davon berichte ich das nächste Mal :-)
Paka taparach
(“bis bald”)
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Februar 19th, 2009 at 12:03 am
hey,
coole soche, i wünsch dir ois beste, dass du des budget kriagst. aber wenns um sochn zammbaun (oder spaxn :) ) geht woast immer vorn dabei – do is des krankenhaus in besten händen.
ois guate
grex