Karamoja Log
Als Logistiker in Uganda

Archiv für März, 2009

Nix zu tun :)

März 17, 2009 | admin

Die letzte Woche der offiziellen Tätigkeiten von MSF-Holland in Nakapiripirit District ist angebrochen. Das heißt:

Gehälter ausbezahlen, die Verträge des Personals beenden, unser komplettes Sortiment an Medikamenten entweder an die Gesundheitszentren im Distrikt verteilen oder zurück nach Kampala ins Hauptquartier schicken, einen “End of Mission Report” (Logistik-Abschlussbericht über das gesamte neunmonatige Projekt) vorbereiten, meinen persönlichen “End of Mission Report” abtippen, unser Guesthouse und unser Bürogebäude ans ugandische Gesundheitsministerium übergeben, alle Dokumente für den Rücktransport nach Kampala vorbereiten, ambulante Ernährungszentren besuchen um letzte administrative Dinge dort zu erledigen, unsere Geschenke an unsere ugandischen Mitarbeiter vorbereiten, die “End of Project Party” mit lokalen Politikern, anderen NGO´s und unserer gesamten Belegschaft organisieren, schlafen, essen (… da das Essen hier vor allem aus Beilagen besteht, und ich nun mal nicht so der Beilagenfreund bin, werd ich essen einfach spritzen), Arbeitszeugnisse und Job-Evaluierungen für 26 Mitarbeiter erstellen, mich ins nächste Projekt einlesen (unser Landeskoordinator hat mich gefragt, ob ich nicht nach diesem Projekt noch ein paar Wochen in Uganda anhängen und bis Ende April in einem anderen Projekt mitarbeiten möchte) usw…. – Ich hoffe diese Woche wird nicht zu langweilig :-)

Keine Ahnung wie sich das Ganze ausgehen soll, aber irgendwie hat’s bis jetzt noch immer geklappt.

Tokora wird mir mit Sicherheit in Erinnerung bleiben; mit guten und auch einigen weniger guten Erfahrungen. Im Moment kann ich sagen, dass die guten Erfahrungen bei weitem überwiegen. Eine völlig andere und unglaublich interessante Kultur, die Menschen so fremd wie ich es mir nur vorstellen konnte, die Natur absolut atemberaubend, die Aufgabe so real, dass sie mir mehr als einmal meine Grenzen aufzeigte, einige Freundschaften, die ich niemals missen möchte, Lebenserfahrung nicht zu knapp und ein Sonnenbrand den ich nach zweieinhalb Monaten immer noch spüre :-)

Sonnenbrand..

Sonnenbrand..

Am kommenden Samstag steht die offizielle Übergabe des Projekts an das Gesundheitsministerium bevor. Danach gibt’s für uns nur noch Supervision / Training in den therapeutischen Ernährungszentren und administrative Tätigkeiten zu erledigen.

Die Stimmung im Team ist immer noch super, obwohl man merkt, dass die meisten unserer ugandischen Mitarbeiter auch Angst vor der Zukunft haben. MSF wird hier auch als Arbeitgeber vermisst werden. Deshalb gibt’s auch immer öfter Fragen, ob nicht vielleicht doch eine andere NGO nach Karamoja kommen und Mitarbeiter brauchen wird.
Meine Antwort kann leider immer nur ein “ich weiß es nicht” sein. Es tut mir sehr leid den Leuten das immer erklären zu müssen. Das Gesundheitsministerium wird unser Projekt übernehmen und zwar mit eigenem Personal. Ob eine andere NGO hierher kommt und den Leuten eine Möglichkeit aif einen Job bietet weiß ich nicht. Auf jeden Fall hoffe ich es stark.

Trockenheit

Trockenheit

Bedarf gibt’s ja genug, die chronische Unterernährung in Karamoja ist ein massives Problem und die Leute sind am Sprung von Viehzucht und Nomaden-Dasein zu Ackerbau und Sesshaftigkeit. Dabei brauchen sie Unterstützung. An Know-How fehlt’s hier, genauso wie an Geld und vernünftigen Anbauflächen. Wasser muss immer noch per Hand aus Brunnen gepumpt werden, Strom ist noch lange nicht in Sicht und selbst vernünftige Strassen sind im Moment erst in den Träumen der Regierung vervollständigt. Überleben in Karamoja ist kein Honiglecken, aber die Leute sind motiviert und tough und ich bin überzeugt, mit etwas Hilfe von außen können sie die Probleme bewältigen.

Ich wünsch’ ihnen auf jeden Fall das allerbeste und sollte es je wieder ein MSF Projekt in Karamoja geben, werd ich einer der ersten in der Schlange sein :-)

Bis bald

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Ejooka

März 2, 2009 | admin

Bis auf zwei verbleibende haben wir nun all unsere ATFC-Außenposten (ambulante therapeutische Ernährungszentren) an das staatliche Gesundheitsministerium übergeben. Wir werden diese Kliniken nun in den nächsten Wochen noch besuchen und sehen, inwieweit wir mit Training und Supervision das Personal dort auf die Zeit nach dem Rückzug von MSF vorbereiten können. Bei den meisten Kliniken haben wir das Gefühl, dass die Motivation stimmt und unser Projekt mit den geeigneten Trainingsmaßnahmen auch gut weitergeführt werden kann. In manchen Kliniken gibt es allerdings noch Probleme, deshalb haben wir auch den DHO (District Health Officer) um einen Ansprechpartner im Bereich Ernährung gebeten, dem wir die Supervision und das weitere Training der Krankenschwestern übergeben können.

In den letzten beiden verbleibenden Kliniken, Namalu und Nabilatuk, gibt es etwas Grund zur Sorge. Die Anzahl der Kinder, die auf Grund ihrer Ernährungssituation in unser Programm aufgenommen werden müssen, geht nicht mehr zurück. Bisher hatten wir eigentlich überall mehr Kinder, die als “ausreichend ernährt” das Programm verlassen konnten, als Kinder, die neu ins Programm integriert werden mussten. In Namalu und Nabilatuk hat sich das ganze nun umgedreht. Die Situation ist noch nicht gefährlich, allerdings zeichnet sich ein neuer Trand ab und dem muss nachgegangen werden. Wir haben auf diesen Trend aufmerksam gemacht, und ich hoffe wirklich, dass das Gesundheitsministerium früh genug reagiert, um einen erneuten Ausbruch an Unterernährung bei Kindern zu verhindern. Es kommt jetzt auch noch die Regenzeit, was hier bedeutet, dass es sehr viele Fälle von Malaria bei Kindern gibt. Gepaart mit Unterernährung ist das sehr gefährlich. Auf jeden Fall ist MSF aber auch weiterhin im Land und wird die Situation in Karamoja sehr genau beobachten. MSF ist eine Nothilfsorganisation und kann sehr sehr schnell reagieren, wenn der Bedarf da ist.

Für mich ist es sehr interessant bei einem “End of Project” dabei zu sein. Es gibt sehr viele Sachen die bedacht werden müssen. Wir haben, nachdem die Entscheidung dieses Projekt zu übergeben gefallen war, ein Meeting mit unserem “Head of Mission”  (dem Landeskoordinator) gehabt und er hat uns eine Roadmap für das Abschliessen dieses Projektes übergeben.

Da müssen alle zuständigen lokalen Beamten informiert werden; das gesamte Personal, an das wir übergeben, muss auf die spezielle Art und  Weise, wie Ernährungsprogramme funktionieren, geschult werden; das Medical Team muss entscheiden, welche der Medikamente in unserem Lager an welches Spital übergeben werden; ich muss dann für den Transport dieser Medikamente sorgen; es müssen all die Gehälter und offenen Rechnungen beglichen werden und nebenbei will ja auch das Programm noch bis zum Ende geführt sein.

Medikamentenmanagement

Medikamentenmanagement

Ist schon ein ganz schönes Paket, das wir im Moment umgeschnallt haben. Ich merke auch schön langsam, dass ich müde werd. Vielleicht liegts an der vielen Arbeit oder einfach am Wissen, dass es bald nach Hause geht. Wer weiss. Auf jeden Fall freu ich mich darüber, jetzt hier zu sein und an diesem Projekt teilzunehmen und ich freu mich auch darauf, bald meine Lieben zu Hause wiederzusehen.

Gute Kombination :-)

ERAMUNOS

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