Karamoja Log
Als Logistiker in Uganda

Archiv für April, 2009

Ich bin wieder zu Hause!!

April 28, 2009 | admin

Letzten Dienstag, dem 21.April 2009, um ca. 23.00 Ortszeit hat der Airbus Kampala in Richtung Amsterdam verlassen. Afrika verabschiedet mich nicht, ohne noch einmal für etwas Aufregung zu sorgen. Kurz vor dem Start meint der Pilot, er hätte alles versucht, aber leider gibt’s keinen Sprit am Flughafen von Kampala :-)
Wir mussten also in Kairo zwischenlanden, um die Tanks aufzufüllen und kamen dann um ca. 09.00 Ortszeit am Mittwoch Morgen in Amsterdam an.

Im Stadtzentrum von Kampala

Im Stadtzentrum von Kampala

Die letzten drei Wochen in Pader waren geprägt von administrativen Dingen. Das Schließen des Hepatitis E Projektes verlief ohne gröbere Vorkommnisse. Zwei Fahrräder, eine Thermosflasche und 200L Diesel bekamen Flügel und entschwanden für kurze Zeit, aber nach einigen Nachforschungen tauchten sie, kurz bevor wir Pader verließen, auf wundersame Weise wieder in unserem Büro auf.

Die erklärten Ziele des Projekts von Ärzte ohne Grenzen in Pader waren die Eindämmung des Hepatitis E Virus und die Neuansteckungen unter der Bevölkerung gegen Null zu bringen. In den letzten Wochen gab es im gesamten Bezirk im Schnitt zwischen 5 und 10 Verdachtsfälle von Hepatitis E. Allein die Diagnose von Hepatitis E ist ohne Blutproben sehr schwierig, und deshalb haben wir uns entschlossen, die letzten Tage noch so viele Blutproben wie möglich zu sammeln und diese in einem Labor in Entebbe auswerten zu lassen. Von 28 eingesandten Blutproben mit Hepatitis E Verdachtsfällen waren 24 positiv. Somit wussten wir, dass die Diagnose vor Ort über Symptome und Aussehen der Patienten (gelbliche Verfärbung der Augen)  eine sehr hohe Treffsicherheit hat und zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen Humanitären Mitstreitern wurden neue Vorgehensweisen in der Bekämpfung beschlossen. Deshalb verlässt Ärzte ohne Grenzen nun Pader und übergibt seine Aktivitäten an andere Akteure, die sich um die sanitäre Situation und die Versorgung weiterer Hepatitis E-Fälle kümmern werden. Auf jeden Fall hat Ärzte ohne Grenzen, zusammen mit UNICEF, noch kurz vor Abschluss die Verteilung von 600.000 Aquatabs sichergestellt. Diese Tabletten können die Menschen in Pader in Wasserbehältern auflösen. So können sie das aus dem Boden gepumpte Wasser soweit aufbereiten, dass sie es gefahrlos trinken können.

Das ugandische Gesundheitsministerium und die anderen humanitären Organisationen in Pader müssen nun darauf achten, diese Strategien weiterhin konsequent zu verfolgen. Die hygienischen Bedingungen in den Lagern müssen weiterhin drastisch verbessert, die Menschen darüber aufgeklärt werden, warum es so wichtig ist, sich die Hände zu waschen und die Hütten so sauber wie möglich zu halten. Nur so kann man eine Krankheit wie Hepatitis E vollständig in den Griff bekommen. Da ist Teamwork gefragt. Nichregierungsorganisationen zusammen mit dem ugandischen Gesundheitsministerium und der lokalen Bevölkerung.

Ärzte ohne Grenzen hat sein Team aus Pader abgezogen und das Programm an andere Akteure vor Ort übergeben, wird die Lage dort aber weiterhin sehr genau beobachten. Es gibt ja auch noch ein “Primary Health Care” Projekt im angrenzenden Bezirk Kitgum. Dort behandelt unser Team Menschen mit HIV/AIDS, Tuberkulose, Hepatitis E und anderen Krankheiten in den immer noch sehr großen Vertriebenenlagern. Bei Bedarf können unsere Mitarbeiter sehr schnell von Kitgum nach Pader geschickt werden, falls es zu einem weiteren Ausbruch von Hepatitis E kommen sollte.

Schließung des Projekts in Pader

Schließung des Projekts in Pader

Für mich heißt es nun erstmal wieder zu Hause ankommen. Ich hab mich auf dem Weg nach Hause mehrmals bei dem Gedanken erwischt, einfach umzudrehen und wieder Richtung Süden loszustarten. Viereinhalb Monate in einer völlig fremden und anderen Kultur und Umgebung brauchen einfach Zeit um sich zu setzen. Ich werde mir diese Zeit gönnen und dazwischen mal überlegen, was ich in Österreich nun so machen werde. Den Sommer werde ich bestimmt genießen, mich aber auch schon bald nach einem vernünftigen Job umsehen.

Ärzte ohne Grenzen werde ich treu bleiben und bestimmt noch den einen oder anderen Einsatz machen, aber nun heißt es erstmal wieder ins europäische Leben einzutauchen, mir klare Ziele zu setzen (z.B. ein neues Motorrad zu kaufen, hehe) und vollständig zu Hause anzukommen.

PS: vom 3. – 14. Juni 09 gibt’s in Graz ne super Ausstellung von Ärzte ohne Grenzen. Sie heißt “Leben auf der Flucht” und zeigt sehr eindrucksvoll, wie Flüchtlings- oder Vertriebenenlager funktionieren. Mehr Info’s gibt’s unter www.aerzte-ohne-grenzen.at/flucht

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Zurück nach Kampala

April 3, 2009 | admin

Am Freitag den 27. März  haben wir unser Projekt in Tokora geschlossen und sind nach siebeneinhalb Stunden Fahrt Richtung Südwesten in Kampala angekommen. Ich bin nun hier und genieße zwei ruhige Tage, bevor es für mich am Dienstag weiter nach Norduganda geht; Tage ohne Verantwortung, ohne am Morgen als erstes daran zu denken, was tagsüber noch alles zu erledigen ist. Ohne zu wissen, dass der Abschied nach dreieinhalb Monaten bevor steht. Sehr gemischte Gefühle machen sich breit. Ich bin einerseits sehr froh nun hier zu sein und andererseits weiß ich, dass ich Tokora vermissen werde. Die letzten Tage dort waren nicht einfach. Für keinen von uns. Doch alles in allem war es ein sehr tolles und vor allem erfolgreiches Projekt.

Ich muss nun versuchen mich noch einmal zu motivieren, um in Pader im Norden  mitzuhelfen. Bei dem Projekt in Pader geht es darum, einen Hepatitis E Ausbruch einzudämmen. Die Situation in Norduganda hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Es gab über 2 Millionen Menschen (ca. 90% der Bevölkerung im Norden!!), die in Vertriebenenlagern Zuflucht suchen mussten. Marodierende Gruppen, hauptsächlich Mitglieder der LRA (Lords Resistance Army), trieben über beinahe 20 Jahren ihr Unwesen und verbreiteten Terror unter der Bevölkerung Nordugandas. Es wurden in dieser Zeit über 20.000 Kinder entführt und mit brutalsten Mitteln dazu gezwungen, als Kindersoldaten oder Sex-Sklaven bei den Rebellen zu “arbeiten”. Menschen wurden getötet, verstümmelt, vertrieben und mussten in teilweise riesigen Lagern leben. Seit ein paar Jahren hat sich die Sicherheitslage verbessert und die Leute wagen sich aus den Lagern, um wieder dorthin zurückzugehen, von wo sie ursprünglich vertrieben wurden. Es gibt nun viele Probleme, die angegangen werden müssen. Es haben sich z. B. sogenannte “Satellite-Camps” gebildet. Das sind kleinere Lager, die näher an den Heimatdörfern der Menschen errichtet wurden, um den Menschen den Weg nach Hause Schutz zu erleichtern. Weiterhin müssen die Menschen mit dem Notwendigsten wie Wasser, Essen und Medikamenten versorgt werden. In einigen Lagern und „Satellite Camps“ brach Ende 2007 eine Hepatitis E aus. Hepatitis E wird durch verschmutztes Wasser und verschmutzte Lebensmittel übertragen und ist eine Viruserkrankung, die zu einer akuten Entzündung der Leber führt und für schwangere Frauen sogar tödlich sein kann.  MSF hat auf diesen Ausbruch der Krankheit reagiert und Patienten betreut und mehr als 120 Brunnen und Wasserstellen im ganzen Bezirk Pader repariert und desinfiziert. Mehr als 11.000 Haushalte wurden besucht und über Hepatitis E aufgeklärt und auch in Schulen wurde Aufklärungsarbeit geleistet, um den Kindern die Gefahren der Krankheit näher zu bringen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, eine Ansteckung zu vermeiden.

Die bestätigten Fälle an Hepatitis E sind nun soweit zurückgegangen, dass MSF sich dazu entschlossen hat, auch dieses Projekt ans Gesundheitsministerium zu übergeben. Voraussichtliche Abreise aus Pader wird am 18. April sein, und meine Aufgabe bis dahin ist es, den administrativen und logistischen Bereich der Projektübergabe abzudecken. Wie das genau aussieht, werde ich am Montag während eines Briefings erfahren. Für mich wird’s auf jeden Fall interessant, in einem typischen Wasser/Sanitär-Projekt mitzuarbeiten.

Bei Krankheiten wie Hepatitis E ist es unerlässlich, den Menschen sauberes, desinfiziertes Wasser und saubere Latrinen zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht nach bestimmten Richtlinien und Vorgaben und soll dazu führen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Hepatitis E hat eine Inkubationszeit von 15 – 60 Tagen und nachdem nun seit ca. 2 Monaten kaum neue, bestätigte Fälle der Krankheit aufgetreten sind, kann man davon ausgehen, das Schlimmste überstanden zu haben. Wichtig ist für die Leute nun, darauf zu achten, weiterhin Hygiene zu halten, um einem erneuten Ausbruch der Krankheit vorzubeugen.

Für mich ist es auf jeden Fall so etwas wie eine Rückkehr zu meinem ersten Projekt für MSF im Jahr 2006. Damals war ich als einer von zwei Logistikern für die Schweizer Sektion von MSF in Gulu im Norden Ugandas. MSF Schweiz hat damals die Basisgesundheitsversorgung in zwei Vertriebenenlager in Gulu District sichergestellt. Gulu ist der Nachbarbezirk von Pader und somit hab ich vielleicht sogar die Chance, einige der Leute wiederzusehen, mit denen ich damals gearbeitet hab. Mal schaun, auf jeden Fall freu ich mich auf die bevorstehende Aufgabe und darauf, in diesem Projekt mitzuarbeiten. Auch wenn’s nur für einige Wochen sein wird :-)

cu

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