Ich bin wieder zu Hause!!
Letzten Dienstag, dem 21.April 2009, um ca. 23.00 Ortszeit hat der Airbus Kampala in Richtung Amsterdam verlassen. Afrika verabschiedet mich nicht, ohne noch einmal für etwas Aufregung zu sorgen. Kurz vor dem Start meint der Pilot, er hätte alles versucht, aber leider gibt’s keinen Sprit am Flughafen von Kampala :-)
Wir mussten also in Kairo zwischenlanden, um die Tanks aufzufüllen und kamen dann um ca. 09.00 Ortszeit am Mittwoch Morgen in Amsterdam an.

Im Stadtzentrum von Kampala
Die letzten drei Wochen in Pader waren geprägt von administrativen Dingen. Das Schließen des Hepatitis E Projektes verlief ohne gröbere Vorkommnisse. Zwei Fahrräder, eine Thermosflasche und 200L Diesel bekamen Flügel und entschwanden für kurze Zeit, aber nach einigen Nachforschungen tauchten sie, kurz bevor wir Pader verließen, auf wundersame Weise wieder in unserem Büro auf.
Die erklärten Ziele des Projekts von Ärzte ohne Grenzen in Pader waren die Eindämmung des Hepatitis E Virus und die Neuansteckungen unter der Bevölkerung gegen Null zu bringen. In den letzten Wochen gab es im gesamten Bezirk im Schnitt zwischen 5 und 10 Verdachtsfälle von Hepatitis E. Allein die Diagnose von Hepatitis E ist ohne Blutproben sehr schwierig, und deshalb haben wir uns entschlossen, die letzten Tage noch so viele Blutproben wie möglich zu sammeln und diese in einem Labor in Entebbe auswerten zu lassen. Von 28 eingesandten Blutproben mit Hepatitis E Verdachtsfällen waren 24 positiv. Somit wussten wir, dass die Diagnose vor Ort über Symptome und Aussehen der Patienten (gelbliche Verfärbung der Augen) eine sehr hohe Treffsicherheit hat und zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen Humanitären Mitstreitern wurden neue Vorgehensweisen in der Bekämpfung beschlossen. Deshalb verlässt Ärzte ohne Grenzen nun Pader und übergibt seine Aktivitäten an andere Akteure, die sich um die sanitäre Situation und die Versorgung weiterer Hepatitis E-Fälle kümmern werden. Auf jeden Fall hat Ärzte ohne Grenzen, zusammen mit UNICEF, noch kurz vor Abschluss die Verteilung von 600.000 Aquatabs sichergestellt. Diese Tabletten können die Menschen in Pader in Wasserbehältern auflösen. So können sie das aus dem Boden gepumpte Wasser soweit aufbereiten, dass sie es gefahrlos trinken können.
Das ugandische Gesundheitsministerium und die anderen humanitären Organisationen in Pader müssen nun darauf achten, diese Strategien weiterhin konsequent zu verfolgen. Die hygienischen Bedingungen in den Lagern müssen weiterhin drastisch verbessert, die Menschen darüber aufgeklärt werden, warum es so wichtig ist, sich die Hände zu waschen und die Hütten so sauber wie möglich zu halten. Nur so kann man eine Krankheit wie Hepatitis E vollständig in den Griff bekommen. Da ist Teamwork gefragt. Nichregierungsorganisationen zusammen mit dem ugandischen Gesundheitsministerium und der lokalen Bevölkerung.
Ärzte ohne Grenzen hat sein Team aus Pader abgezogen und das Programm an andere Akteure vor Ort übergeben, wird die Lage dort aber weiterhin sehr genau beobachten. Es gibt ja auch noch ein “Primary Health Care” Projekt im angrenzenden Bezirk Kitgum. Dort behandelt unser Team Menschen mit HIV/AIDS, Tuberkulose, Hepatitis E und anderen Krankheiten in den immer noch sehr großen Vertriebenenlagern. Bei Bedarf können unsere Mitarbeiter sehr schnell von Kitgum nach Pader geschickt werden, falls es zu einem weiteren Ausbruch von Hepatitis E kommen sollte.

Schließung des Projekts in Pader
Für mich heißt es nun erstmal wieder zu Hause ankommen. Ich hab mich auf dem Weg nach Hause mehrmals bei dem Gedanken erwischt, einfach umzudrehen und wieder Richtung Süden loszustarten. Viereinhalb Monate in einer völlig fremden und anderen Kultur und Umgebung brauchen einfach Zeit um sich zu setzen. Ich werde mir diese Zeit gönnen und dazwischen mal überlegen, was ich in Österreich nun so machen werde. Den Sommer werde ich bestimmt genießen, mich aber auch schon bald nach einem vernünftigen Job umsehen.
Ärzte ohne Grenzen werde ich treu bleiben und bestimmt noch den einen oder anderen Einsatz machen, aber nun heißt es erstmal wieder ins europäische Leben einzutauchen, mir klare Ziele zu setzen (z.B. ein neues Motorrad zu kaufen, hehe) und vollständig zu Hause anzukommen.
PS: vom 3. – 14. Juni 09 gibt’s in Graz ne super Ausstellung von Ärzte ohne Grenzen. Sie heißt “Leben auf der Flucht” und zeigt sehr eindrucksvoll, wie Flüchtlings- oder Vertriebenenlager funktionieren. Mehr Info’s gibt’s unter www.aerzte-ohne-grenzen.at/flucht


