Karamoja Log
Als Logistiker in Uganda
 

Zurück nach Kampala

3. April 2009

Am Freitag den 27. März  haben wir unser Projekt in Tokora geschlossen und sind nach siebeneinhalb Stunden Fahrt Richtung Südwesten in Kampala angekommen. Ich bin nun hier und genieße zwei ruhige Tage, bevor es für mich am Dienstag weiter nach Norduganda geht; Tage ohne Verantwortung, ohne am Morgen als erstes daran zu denken, was tagsüber noch alles zu erledigen ist. Ohne zu wissen, dass der Abschied nach dreieinhalb Monaten bevor steht. Sehr gemischte Gefühle machen sich breit. Ich bin einerseits sehr froh nun hier zu sein und andererseits weiß ich, dass ich Tokora vermissen werde. Die letzten Tage dort waren nicht einfach. Für keinen von uns. Doch alles in allem war es ein sehr tolles und vor allem erfolgreiches Projekt.

Ich muss nun versuchen mich noch einmal zu motivieren, um in Pader im Norden  mitzuhelfen. Bei dem Projekt in Pader geht es darum, einen Hepatitis E Ausbruch einzudämmen. Die Situation in Norduganda hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Es gab über 2 Millionen Menschen (ca. 90% der Bevölkerung im Norden!!), die in Vertriebenenlagern Zuflucht suchen mussten. Marodierende Gruppen, hauptsächlich Mitglieder der LRA (Lords Resistance Army), trieben über beinahe 20 Jahren ihr Unwesen und verbreiteten Terror unter der Bevölkerung Nordugandas. Es wurden in dieser Zeit über 20.000 Kinder entführt und mit brutalsten Mitteln dazu gezwungen, als Kindersoldaten oder Sex-Sklaven bei den Rebellen zu “arbeiten”. Menschen wurden getötet, verstümmelt, vertrieben und mussten in teilweise riesigen Lagern leben. Seit ein paar Jahren hat sich die Sicherheitslage verbessert und die Leute wagen sich aus den Lagern, um wieder dorthin zurückzugehen, von wo sie ursprünglich vertrieben wurden. Es gibt nun viele Probleme, die angegangen werden müssen. Es haben sich z. B. sogenannte “Satellite-Camps” gebildet. Das sind kleinere Lager, die näher an den Heimatdörfern der Menschen errichtet wurden, um den Menschen den Weg nach Hause Schutz zu erleichtern. Weiterhin müssen die Menschen mit dem Notwendigsten wie Wasser, Essen und Medikamenten versorgt werden. In einigen Lagern und „Satellite Camps“ brach Ende 2007 eine Hepatitis E aus. Hepatitis E wird durch verschmutztes Wasser und verschmutzte Lebensmittel übertragen und ist eine Viruserkrankung, die zu einer akuten Entzündung der Leber führt und für schwangere Frauen sogar tödlich sein kann.  MSF hat auf diesen Ausbruch der Krankheit reagiert und Patienten betreut und mehr als 120 Brunnen und Wasserstellen im ganzen Bezirk Pader repariert und desinfiziert. Mehr als 11.000 Haushalte wurden besucht und über Hepatitis E aufgeklärt und auch in Schulen wurde Aufklärungsarbeit geleistet, um den Kindern die Gefahren der Krankheit näher zu bringen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, eine Ansteckung zu vermeiden.

Die bestätigten Fälle an Hepatitis E sind nun soweit zurückgegangen, dass MSF sich dazu entschlossen hat, auch dieses Projekt ans Gesundheitsministerium zu übergeben. Voraussichtliche Abreise aus Pader wird am 18. April sein, und meine Aufgabe bis dahin ist es, den administrativen und logistischen Bereich der Projektübergabe abzudecken. Wie das genau aussieht, werde ich am Montag während eines Briefings erfahren. Für mich wird’s auf jeden Fall interessant, in einem typischen Wasser/Sanitär-Projekt mitzuarbeiten.

Bei Krankheiten wie Hepatitis E ist es unerlässlich, den Menschen sauberes, desinfiziertes Wasser und saubere Latrinen zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht nach bestimmten Richtlinien und Vorgaben und soll dazu führen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Hepatitis E hat eine Inkubationszeit von 15 – 60 Tagen und nachdem nun seit ca. 2 Monaten kaum neue, bestätigte Fälle der Krankheit aufgetreten sind, kann man davon ausgehen, das Schlimmste überstanden zu haben. Wichtig ist für die Leute nun, darauf zu achten, weiterhin Hygiene zu halten, um einem erneuten Ausbruch der Krankheit vorzubeugen.

Für mich ist es auf jeden Fall so etwas wie eine Rückkehr zu meinem ersten Projekt für MSF im Jahr 2006. Damals war ich als einer von zwei Logistikern für die Schweizer Sektion von MSF in Gulu im Norden Ugandas. MSF Schweiz hat damals die Basisgesundheitsversorgung in zwei Vertriebenenlager in Gulu District sichergestellt. Gulu ist der Nachbarbezirk von Pader und somit hab ich vielleicht sogar die Chance, einige der Leute wiederzusehen, mit denen ich damals gearbeitet hab. Mal schaun, auf jeden Fall freu ich mich auf die bevorstehende Aufgabe und darauf, in diesem Projekt mitzuarbeiten. Auch wenn’s nur für einige Wochen sein wird :-)

cu


3 Kommentare

  1. Matthias

    Hallo Volker,

    Dein Sonnenbrand ist ja irre! Bei uns verabschiedet sich langsam die lange Kälte und der Frühling kehrt ein.
    Knitte und ich haben uns auch für das Volleyball Camp in Lignano angemeldet. Ich freue mich schon sehr darauf!
    Hoffentlich kannst du dich ein wenig erholen, bevor deine neuen Aufgaben beginnen.

    Auf ein Wiedersehen,
    Matthias

  2. Corinne Grafl

    Hallo Volker,

    dein Blog ist sehr spannend und die Fotos sind wunderbar. solche Berichte sind für alle, die weitweg von dem Feld sind, aber trotzdem für MSF tätig sind, sehr wichtig. so bleibt man nah an der Realität und immer wiedere motiviert, weiter zu machen!
    ich wünsche dir alles gute für deinen weiteren einsatz,

    corinne
    MSF-AT Vorstand

  3. christian

    hi volker,

    schöne ostergrüße nach kampala!!!

    lg chris

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