Karamoja Log
Als Logistiker in Uganda

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Ich bin wieder zu Hause!!

April 28, 2009 | admin

Letzten Dienstag, dem 21.April 2009, um ca. 23.00 Ortszeit hat der Airbus Kampala in Richtung Amsterdam verlassen. Afrika verabschiedet mich nicht, ohne noch einmal für etwas Aufregung zu sorgen. Kurz vor dem Start meint der Pilot, er hätte alles versucht, aber leider gibt’s keinen Sprit am Flughafen von Kampala :-)
Wir mussten also in Kairo zwischenlanden, um die Tanks aufzufüllen und kamen dann um ca. 09.00 Ortszeit am Mittwoch Morgen in Amsterdam an.

Im Stadtzentrum von Kampala

Im Stadtzentrum von Kampala

Die letzten drei Wochen in Pader waren geprägt von administrativen Dingen. Das Schließen des Hepatitis E Projektes verlief ohne gröbere Vorkommnisse. Zwei Fahrräder, eine Thermosflasche und 200L Diesel bekamen Flügel und entschwanden für kurze Zeit, aber nach einigen Nachforschungen tauchten sie, kurz bevor wir Pader verließen, auf wundersame Weise wieder in unserem Büro auf.

Die erklärten Ziele des Projekts von Ärzte ohne Grenzen in Pader waren die Eindämmung des Hepatitis E Virus und die Neuansteckungen unter der Bevölkerung gegen Null zu bringen. In den letzten Wochen gab es im gesamten Bezirk im Schnitt zwischen 5 und 10 Verdachtsfälle von Hepatitis E. Allein die Diagnose von Hepatitis E ist ohne Blutproben sehr schwierig, und deshalb haben wir uns entschlossen, die letzten Tage noch so viele Blutproben wie möglich zu sammeln und diese in einem Labor in Entebbe auswerten zu lassen. Von 28 eingesandten Blutproben mit Hepatitis E Verdachtsfällen waren 24 positiv. Somit wussten wir, dass die Diagnose vor Ort über Symptome und Aussehen der Patienten (gelbliche Verfärbung der Augen)  eine sehr hohe Treffsicherheit hat und zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen Humanitären Mitstreitern wurden neue Vorgehensweisen in der Bekämpfung beschlossen. Deshalb verlässt Ärzte ohne Grenzen nun Pader und übergibt seine Aktivitäten an andere Akteure, die sich um die sanitäre Situation und die Versorgung weiterer Hepatitis E-Fälle kümmern werden. Auf jeden Fall hat Ärzte ohne Grenzen, zusammen mit UNICEF, noch kurz vor Abschluss die Verteilung von 600.000 Aquatabs sichergestellt. Diese Tabletten können die Menschen in Pader in Wasserbehältern auflösen. So können sie das aus dem Boden gepumpte Wasser soweit aufbereiten, dass sie es gefahrlos trinken können.

Das ugandische Gesundheitsministerium und die anderen humanitären Organisationen in Pader müssen nun darauf achten, diese Strategien weiterhin konsequent zu verfolgen. Die hygienischen Bedingungen in den Lagern müssen weiterhin drastisch verbessert, die Menschen darüber aufgeklärt werden, warum es so wichtig ist, sich die Hände zu waschen und die Hütten so sauber wie möglich zu halten. Nur so kann man eine Krankheit wie Hepatitis E vollständig in den Griff bekommen. Da ist Teamwork gefragt. Nichregierungsorganisationen zusammen mit dem ugandischen Gesundheitsministerium und der lokalen Bevölkerung.

Ärzte ohne Grenzen hat sein Team aus Pader abgezogen und das Programm an andere Akteure vor Ort übergeben, wird die Lage dort aber weiterhin sehr genau beobachten. Es gibt ja auch noch ein “Primary Health Care” Projekt im angrenzenden Bezirk Kitgum. Dort behandelt unser Team Menschen mit HIV/AIDS, Tuberkulose, Hepatitis E und anderen Krankheiten in den immer noch sehr großen Vertriebenenlagern. Bei Bedarf können unsere Mitarbeiter sehr schnell von Kitgum nach Pader geschickt werden, falls es zu einem weiteren Ausbruch von Hepatitis E kommen sollte.

Schließung des Projekts in Pader

Schließung des Projekts in Pader

Für mich heißt es nun erstmal wieder zu Hause ankommen. Ich hab mich auf dem Weg nach Hause mehrmals bei dem Gedanken erwischt, einfach umzudrehen und wieder Richtung Süden loszustarten. Viereinhalb Monate in einer völlig fremden und anderen Kultur und Umgebung brauchen einfach Zeit um sich zu setzen. Ich werde mir diese Zeit gönnen und dazwischen mal überlegen, was ich in Österreich nun so machen werde. Den Sommer werde ich bestimmt genießen, mich aber auch schon bald nach einem vernünftigen Job umsehen.

Ärzte ohne Grenzen werde ich treu bleiben und bestimmt noch den einen oder anderen Einsatz machen, aber nun heißt es erstmal wieder ins europäische Leben einzutauchen, mir klare Ziele zu setzen (z.B. ein neues Motorrad zu kaufen, hehe) und vollständig zu Hause anzukommen.

PS: vom 3. – 14. Juni 09 gibt’s in Graz ne super Ausstellung von Ärzte ohne Grenzen. Sie heißt “Leben auf der Flucht” und zeigt sehr eindrucksvoll, wie Flüchtlings- oder Vertriebenenlager funktionieren. Mehr Info’s gibt’s unter www.aerzte-ohne-grenzen.at/flucht

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Zurück nach Kampala

April 3, 2009 | admin

Am Freitag den 27. März  haben wir unser Projekt in Tokora geschlossen und sind nach siebeneinhalb Stunden Fahrt Richtung Südwesten in Kampala angekommen. Ich bin nun hier und genieße zwei ruhige Tage, bevor es für mich am Dienstag weiter nach Norduganda geht; Tage ohne Verantwortung, ohne am Morgen als erstes daran zu denken, was tagsüber noch alles zu erledigen ist. Ohne zu wissen, dass der Abschied nach dreieinhalb Monaten bevor steht. Sehr gemischte Gefühle machen sich breit. Ich bin einerseits sehr froh nun hier zu sein und andererseits weiß ich, dass ich Tokora vermissen werde. Die letzten Tage dort waren nicht einfach. Für keinen von uns. Doch alles in allem war es ein sehr tolles und vor allem erfolgreiches Projekt.

Ich muss nun versuchen mich noch einmal zu motivieren, um in Pader im Norden  mitzuhelfen. Bei dem Projekt in Pader geht es darum, einen Hepatitis E Ausbruch einzudämmen. Die Situation in Norduganda hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Es gab über 2 Millionen Menschen (ca. 90% der Bevölkerung im Norden!!), die in Vertriebenenlagern Zuflucht suchen mussten. Marodierende Gruppen, hauptsächlich Mitglieder der LRA (Lords Resistance Army), trieben über beinahe 20 Jahren ihr Unwesen und verbreiteten Terror unter der Bevölkerung Nordugandas. Es wurden in dieser Zeit über 20.000 Kinder entführt und mit brutalsten Mitteln dazu gezwungen, als Kindersoldaten oder Sex-Sklaven bei den Rebellen zu “arbeiten”. Menschen wurden getötet, verstümmelt, vertrieben und mussten in teilweise riesigen Lagern leben. Seit ein paar Jahren hat sich die Sicherheitslage verbessert und die Leute wagen sich aus den Lagern, um wieder dorthin zurückzugehen, von wo sie ursprünglich vertrieben wurden. Es gibt nun viele Probleme, die angegangen werden müssen. Es haben sich z. B. sogenannte “Satellite-Camps” gebildet. Das sind kleinere Lager, die näher an den Heimatdörfern der Menschen errichtet wurden, um den Menschen den Weg nach Hause Schutz zu erleichtern. Weiterhin müssen die Menschen mit dem Notwendigsten wie Wasser, Essen und Medikamenten versorgt werden. In einigen Lagern und „Satellite Camps“ brach Ende 2007 eine Hepatitis E aus. Hepatitis E wird durch verschmutztes Wasser und verschmutzte Lebensmittel übertragen und ist eine Viruserkrankung, die zu einer akuten Entzündung der Leber führt und für schwangere Frauen sogar tödlich sein kann.  MSF hat auf diesen Ausbruch der Krankheit reagiert und Patienten betreut und mehr als 120 Brunnen und Wasserstellen im ganzen Bezirk Pader repariert und desinfiziert. Mehr als 11.000 Haushalte wurden besucht und über Hepatitis E aufgeklärt und auch in Schulen wurde Aufklärungsarbeit geleistet, um den Kindern die Gefahren der Krankheit näher zu bringen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, eine Ansteckung zu vermeiden.

Die bestätigten Fälle an Hepatitis E sind nun soweit zurückgegangen, dass MSF sich dazu entschlossen hat, auch dieses Projekt ans Gesundheitsministerium zu übergeben. Voraussichtliche Abreise aus Pader wird am 18. April sein, und meine Aufgabe bis dahin ist es, den administrativen und logistischen Bereich der Projektübergabe abzudecken. Wie das genau aussieht, werde ich am Montag während eines Briefings erfahren. Für mich wird’s auf jeden Fall interessant, in einem typischen Wasser/Sanitär-Projekt mitzuarbeiten.

Bei Krankheiten wie Hepatitis E ist es unerlässlich, den Menschen sauberes, desinfiziertes Wasser und saubere Latrinen zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht nach bestimmten Richtlinien und Vorgaben und soll dazu führen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Hepatitis E hat eine Inkubationszeit von 15 – 60 Tagen und nachdem nun seit ca. 2 Monaten kaum neue, bestätigte Fälle der Krankheit aufgetreten sind, kann man davon ausgehen, das Schlimmste überstanden zu haben. Wichtig ist für die Leute nun, darauf zu achten, weiterhin Hygiene zu halten, um einem erneuten Ausbruch der Krankheit vorzubeugen.

Für mich ist es auf jeden Fall so etwas wie eine Rückkehr zu meinem ersten Projekt für MSF im Jahr 2006. Damals war ich als einer von zwei Logistikern für die Schweizer Sektion von MSF in Gulu im Norden Ugandas. MSF Schweiz hat damals die Basisgesundheitsversorgung in zwei Vertriebenenlager in Gulu District sichergestellt. Gulu ist der Nachbarbezirk von Pader und somit hab ich vielleicht sogar die Chance, einige der Leute wiederzusehen, mit denen ich damals gearbeitet hab. Mal schaun, auf jeden Fall freu ich mich auf die bevorstehende Aufgabe und darauf, in diesem Projekt mitzuarbeiten. Auch wenn’s nur für einige Wochen sein wird :-)

cu

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Nix zu tun :)

März 17, 2009 | admin

Die letzte Woche der offiziellen Tätigkeiten von MSF-Holland in Nakapiripirit District ist angebrochen. Das heißt:

Gehälter ausbezahlen, die Verträge des Personals beenden, unser komplettes Sortiment an Medikamenten entweder an die Gesundheitszentren im Distrikt verteilen oder zurück nach Kampala ins Hauptquartier schicken, einen “End of Mission Report” (Logistik-Abschlussbericht über das gesamte neunmonatige Projekt) vorbereiten, meinen persönlichen “End of Mission Report” abtippen, unser Guesthouse und unser Bürogebäude ans ugandische Gesundheitsministerium übergeben, alle Dokumente für den Rücktransport nach Kampala vorbereiten, ambulante Ernährungszentren besuchen um letzte administrative Dinge dort zu erledigen, unsere Geschenke an unsere ugandischen Mitarbeiter vorbereiten, die “End of Project Party” mit lokalen Politikern, anderen NGO´s und unserer gesamten Belegschaft organisieren, schlafen, essen (… da das Essen hier vor allem aus Beilagen besteht, und ich nun mal nicht so der Beilagenfreund bin, werd ich essen einfach spritzen), Arbeitszeugnisse und Job-Evaluierungen für 26 Mitarbeiter erstellen, mich ins nächste Projekt einlesen (unser Landeskoordinator hat mich gefragt, ob ich nicht nach diesem Projekt noch ein paar Wochen in Uganda anhängen und bis Ende April in einem anderen Projekt mitarbeiten möchte) usw…. – Ich hoffe diese Woche wird nicht zu langweilig :-)

Keine Ahnung wie sich das Ganze ausgehen soll, aber irgendwie hat’s bis jetzt noch immer geklappt.

Tokora wird mir mit Sicherheit in Erinnerung bleiben; mit guten und auch einigen weniger guten Erfahrungen. Im Moment kann ich sagen, dass die guten Erfahrungen bei weitem überwiegen. Eine völlig andere und unglaublich interessante Kultur, die Menschen so fremd wie ich es mir nur vorstellen konnte, die Natur absolut atemberaubend, die Aufgabe so real, dass sie mir mehr als einmal meine Grenzen aufzeigte, einige Freundschaften, die ich niemals missen möchte, Lebenserfahrung nicht zu knapp und ein Sonnenbrand den ich nach zweieinhalb Monaten immer noch spüre :-)

Sonnenbrand..

Sonnenbrand..

Am kommenden Samstag steht die offizielle Übergabe des Projekts an das Gesundheitsministerium bevor. Danach gibt’s für uns nur noch Supervision / Training in den therapeutischen Ernährungszentren und administrative Tätigkeiten zu erledigen.

Die Stimmung im Team ist immer noch super, obwohl man merkt, dass die meisten unserer ugandischen Mitarbeiter auch Angst vor der Zukunft haben. MSF wird hier auch als Arbeitgeber vermisst werden. Deshalb gibt’s auch immer öfter Fragen, ob nicht vielleicht doch eine andere NGO nach Karamoja kommen und Mitarbeiter brauchen wird.
Meine Antwort kann leider immer nur ein “ich weiß es nicht” sein. Es tut mir sehr leid den Leuten das immer erklären zu müssen. Das Gesundheitsministerium wird unser Projekt übernehmen und zwar mit eigenem Personal. Ob eine andere NGO hierher kommt und den Leuten eine Möglichkeit aif einen Job bietet weiß ich nicht. Auf jeden Fall hoffe ich es stark.

Trockenheit

Trockenheit

Bedarf gibt’s ja genug, die chronische Unterernährung in Karamoja ist ein massives Problem und die Leute sind am Sprung von Viehzucht und Nomaden-Dasein zu Ackerbau und Sesshaftigkeit. Dabei brauchen sie Unterstützung. An Know-How fehlt’s hier, genauso wie an Geld und vernünftigen Anbauflächen. Wasser muss immer noch per Hand aus Brunnen gepumpt werden, Strom ist noch lange nicht in Sicht und selbst vernünftige Strassen sind im Moment erst in den Träumen der Regierung vervollständigt. Überleben in Karamoja ist kein Honiglecken, aber die Leute sind motiviert und tough und ich bin überzeugt, mit etwas Hilfe von außen können sie die Probleme bewältigen.

Ich wünsch’ ihnen auf jeden Fall das allerbeste und sollte es je wieder ein MSF Projekt in Karamoja geben, werd ich einer der ersten in der Schlange sein :-)

Bis bald

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Ejooka

März 2, 2009 | admin

Bis auf zwei verbleibende haben wir nun all unsere ATFC-Außenposten (ambulante therapeutische Ernährungszentren) an das staatliche Gesundheitsministerium übergeben. Wir werden diese Kliniken nun in den nächsten Wochen noch besuchen und sehen, inwieweit wir mit Training und Supervision das Personal dort auf die Zeit nach dem Rückzug von MSF vorbereiten können. Bei den meisten Kliniken haben wir das Gefühl, dass die Motivation stimmt und unser Projekt mit den geeigneten Trainingsmaßnahmen auch gut weitergeführt werden kann. In manchen Kliniken gibt es allerdings noch Probleme, deshalb haben wir auch den DHO (District Health Officer) um einen Ansprechpartner im Bereich Ernährung gebeten, dem wir die Supervision und das weitere Training der Krankenschwestern übergeben können.

In den letzten beiden verbleibenden Kliniken, Namalu und Nabilatuk, gibt es etwas Grund zur Sorge. Die Anzahl der Kinder, die auf Grund ihrer Ernährungssituation in unser Programm aufgenommen werden müssen, geht nicht mehr zurück. Bisher hatten wir eigentlich überall mehr Kinder, die als “ausreichend ernährt” das Programm verlassen konnten, als Kinder, die neu ins Programm integriert werden mussten. In Namalu und Nabilatuk hat sich das ganze nun umgedreht. Die Situation ist noch nicht gefährlich, allerdings zeichnet sich ein neuer Trand ab und dem muss nachgegangen werden. Wir haben auf diesen Trend aufmerksam gemacht, und ich hoffe wirklich, dass das Gesundheitsministerium früh genug reagiert, um einen erneuten Ausbruch an Unterernährung bei Kindern zu verhindern. Es kommt jetzt auch noch die Regenzeit, was hier bedeutet, dass es sehr viele Fälle von Malaria bei Kindern gibt. Gepaart mit Unterernährung ist das sehr gefährlich. Auf jeden Fall ist MSF aber auch weiterhin im Land und wird die Situation in Karamoja sehr genau beobachten. MSF ist eine Nothilfsorganisation und kann sehr sehr schnell reagieren, wenn der Bedarf da ist.

Für mich ist es sehr interessant bei einem “End of Project” dabei zu sein. Es gibt sehr viele Sachen die bedacht werden müssen. Wir haben, nachdem die Entscheidung dieses Projekt zu übergeben gefallen war, ein Meeting mit unserem “Head of Mission”  (dem Landeskoordinator) gehabt und er hat uns eine Roadmap für das Abschliessen dieses Projektes übergeben.

Da müssen alle zuständigen lokalen Beamten informiert werden; das gesamte Personal, an das wir übergeben, muss auf die spezielle Art und  Weise, wie Ernährungsprogramme funktionieren, geschult werden; das Medical Team muss entscheiden, welche der Medikamente in unserem Lager an welches Spital übergeben werden; ich muss dann für den Transport dieser Medikamente sorgen; es müssen all die Gehälter und offenen Rechnungen beglichen werden und nebenbei will ja auch das Programm noch bis zum Ende geführt sein.

Medikamentenmanagement

Medikamentenmanagement

Ist schon ein ganz schönes Paket, das wir im Moment umgeschnallt haben. Ich merke auch schön langsam, dass ich müde werd. Vielleicht liegts an der vielen Arbeit oder einfach am Wissen, dass es bald nach Hause geht. Wer weiss. Auf jeden Fall freu ich mich darüber, jetzt hier zu sein und an diesem Projekt teilzunehmen und ich freu mich auch darauf, bald meine Lieben zu Hause wiederzusehen.

Gute Kombination :-)

ERAMUNOS

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Renovierungsarbeiten im Krankenhaus

Januar 26, 2009 | admin

Unser Ernährungsprojekt in Karamoja läuft sehr gut und Ärzte ohne Grenzen hat sich für dieses Projekt spezielle Ziele gesetzt: Anfang Februar 2008 wurde eine Ernährungsstudie in Karamoja gemacht, um herauszufinden, wie der Ernährungszustand der Kinder hier ist.  Man fand heraus, dass die GAM (Global Acute Malnutrition Rate) bei 15,1% der gesamten Bevölkerung liegt – das heißt, dass 15,1% von allen untersuchten Kindern beim MUAC-Test gelb oder rot abschnitten.  Der MUAC-Test wird mit einem speziellen Armband durchgeführt, das den Oberarmumfang bei Kindern zwischen 1 und 5 Jahren misst. Das MUAC Band hat einen grünen, einen gelben und einen roten Bereich. Der grüne Bereich geht von 21cm bis 12,5cm Oberarmumfang. Der gelbe Bereich von 12,5cm bis 11cm und der rote Bereich liegt unter 11cm. Wenn Kinder im gruenen Bereich sind, spricht man von ausreichendem Ernährungszustand. Im gelben Bereich sind die Kinder moderat unterernährt, und im roten Bereich spricht man von akuter Mangelernährung. Der Oberarm eines Kindes im roten Bereich entspricht etwa dem Umfang des Inneren einer kleinen Tixo-Rolle.

Wenn Kinder im roten Bereich sind, muss man sofort reagieren. Das Immun-System dieser Kinder ist meist völlig geschwächt und die Kinder laufen Gefahr, zusätzlich zur Unterernährung auch noch Krankheiten wie Malaria, Diarrhoe, Tuberkulose oder ähnliches zu bekommen. Diese Kinder werden in den Dörfern von dem sogenannten ATFC (Ambulantes therapeutisches Eranährungszentrum)-Team identifziert und mitsamt ihren Müttern ins ITFC (Stationäres Therapeutisches Eranährungszentrum) zur Behandlung gebracht.
Dort werden die Kinder speziell ernährt und solange behandelt, bis sie den Kriterien zur Entlassung aus dem ITFC entsprechen. Danach können die Mütter sie wieder nach Hause bringen.

Kinder, die nicht extrem unterernährt und zum Beispiel im gelben oder grünen Bereich des MUAC-Bandes sind, werden in ihren Dörfern mit spezieller Nahrung für eine Woche versorgt.

Wir hatten in der Zeit von Anfang Juli 2008 bis Ende Jänner 2009 in den beiden Projekt-Standorten, Tokora und Matany, ca. 12900 Kinder in Behandlung. Ärzte ohne Grenzen betreute in Karamoja 24 Dörfer und lieferte ca. 1800 akut unterernaehrte Kinder in unsere ITFC-Klinik in Tokora zur Behandlung ein.

Es gibt auch einige ganz “spezielle” Patienten darunter, die ich bestimmt in Erinnerung behalten werde. So waren zum Beispiel Zwillinge bei uns in Behandlung, die in sehr schlechtem Zustand zu uns kamen. Sie wurden gegen Unterernährung und Malaria behandelt und einer der beiden sprach auch sehr gut auf die Behandlung an. Der andere hatte ständig Fieberschübe und wollte nicht auf die Behandlung ansprechen. Der Ernährungszustand besserte sich kaum und unsere Ärztin hatte echt alle Hände voll zu tun, das Problem in den Griff zu bekommen. Beide wurden entlassen nachdem der Schwächere am Ende auf Tuberkulose behandelt wurde und das Fieber verschwand.

Auf jeden Fall waren die beiden echt süss und unglaublich aufmerksam. Manchmal nehmen schwer unterernährte Kinder ihre Umgebung kaum wahr, weil ihr körperlicher Zustand so schlecht ist. Diese beiden aber verfolgten ständig alles was in der Basis passierte. Ob nun unser ATFC-Team aus einem der Dörfer zurückkam, oder das Logistik-Team etwas an den Gebäuden renovierte, man konnte sich den wachsamen Augen der beiden kaum entziehen.

Mit Ende Jänner haben wir es geschafft, die GAM-Rate von 15,1% auf 8,4% zu senken. Das Ziel war unter 10% zu kommen. Die akute Unterernährung wurde von 2,2% auf 1,9% gesenkt.

Somit sind für Ärzte ohne Grenzen ausreichende Kriterien erfüllt, um über eine Übergabe des Projektes ans staatliche Gesundheitsministerium nachzudenken.

Im Moment übergeben wir ein Dorf nach dem anderen an staatliche Strukturen, die unser Programm dann weiterführen werden. Unser Ernährungszentrum (ITFC) soll mit Mitte Februar an das Krankenhaus, in dessen Areal wir uns hier befinden, übergeben werden.

Kleine Patientin des stationären Ernährungsprogramms

Da komme ich als Logistiker dann wieder voll ins Spiel. Wir haben zusammen die Räumlichkeiten definiert, in denen das ITFC dann weitergeführt werden soll. Es ist die jetzige Kinderabteilung des Krankenhauses, die dafür aber speziell adaptiert werden muss. Um zu sehen, was alles gemacht werden muss bevor wir übergeben können, machte ich mich zusammen mit unserem neuen Arzt, Jonathan, auf um das ganze zu begutachten.

Als wir in den Kinderbereich kamen, war es erstmal ein Schock für uns Beide. Der Raum besteht aus 16 Betten, in denen zur Malaria-Zeit zwischen 50 und 60 Kinder betreut werden. Die Kinder schlafen dann einfach quer über die Betten; zusammengepfercht. Die Wände sind farblos, die Decke des Raumes völlig durchlöchert, einige der Fenster zerborsten, keinerlei Insektengitter oder Mosquito-Netze (beides völlig unverzichtbar in der Malaria-Saison), kein funktionierendes Licht, die Matratzen auf den Betten durchlöchert und schmutzig, keine Bettwäsche oder Decken.

Renovierungsbedarf auf der Kinderstation

Renovierungsbedarf im Krankenhaus

Renovierungsbedarf auf der Kinderstation

Mir kam es fast vor, als wäre es unmöglich, hier ein funktionierendes Krankenhaus zu betreiben; und doch schaffen es die Krankenschwestern vor Ort auch unter schwierigsten Bedingungen, ihre Patienten  zu versorgen. In dem Hospital werden auch sehr komplizierte Krankheiten wie etwa Tuberkulose, oder etwa auch sehr schwere Verletzungen behandelt. Dies alles kann auch mit einfachsten Mitteln funktionieren.

Für Jonathan und mich war sofort klar, dass da einiges an Arbeit auf uns zu kommt. Wir gingen also durch die Räume und schrieben alles auf, was wir verbessern wollten. Die fertige, und seeehr lange Liste gingen wir dann mit den restlichen Teammitgliedern durch um sicher zu gehen, dass wir auch nichts vergessen hatten.

So weit so gut – ich werde die Liste nun ans Koordinationsteam in Kampala schicken und drauf warten, dass sie uns von dort grünes Licht (und vor allem Budget) geben, um los zu legen.

In der Zwischenzeit werde ich vom Büro ins Guesthouse gehen und erstmal was Essen und mich etwas ausruhen. Heute war wieder ein anstrengender Tag, aber davon berichte ich das nächste Mal :-)

Paka taparach
(“bis bald”)

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Weihnacht – Neujahr

Januar 23, 2009 | vpelzmann

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr war recht interessant. Mein erstes Weihnachten in Afrika und dann noch in einer so speziellen Kultur wie die der Karamojong. Die meisten Menschen in Karamoja sind streng katholisch und verwenden viel Zeit dafür, in die Kirche zu gehn und zu beten.

Für mich waren die Weihnachtsfeiertage diesmal eher Erholung und Ruhe. Ist schon interessant, dass man anscheinend nach Afrika fahren muss, um die Weihnachtsfeiertage ruhig und besinnlich angehen zu können… Jeanette, unsere Ärztin, war gerade auf Urlaub und machte ein Trekking zur ruandischen Grenze um dort Berggorillas in freier Wildbahn zu erleben. Sheikh, der Teamleader, und ich verbrachten die Weihnachtsfeiertage zusammen mit dem zweiten Team unseres Projektes aus dem nördlich von uns gelegen Matany. Es war sehr nett; wir haben zusammen gegessen, etwas Wein genossen, auf Weihnachten in Afrika und unsere Lieben zu Hause angestoßen.

Weihnachtsessen mit dem Team

Weihnachtsessen mit dem Team

Zu Silvester waren Sheikh und ich allein; das zweite Team fuhr zurück nach Matany.
Den Sprung ins neue Jahr erlebte ich ganz schön aufregend. Ich war bereits am Schlafen, als ich um kurz vor zwölf am 31. Dezember wach wurde. Es war Riesenlärm und ich sprang in meine Kleider um nachzusehen was da los war. In meinem Kopf stiegen Bilder von Warriors auf, die unseren Compound überfallen wollen. Unser Guard, Simon Peter, rief ständig irgendwas auf Karamojong, ich hörte lautes Schlagen und als ich endlich in meine Sachen und aus dem Haus kam, fand ich ihn tanzend und rufend vor unserem Haus. Er lachte und erklärte ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Alles sei OK. Die Karamojong feiern den Sprung ins neue Jahr einfach etwas wilder als wir und was immer sie an Gegenständen finden, wird als Trommel oder Krachmacher benutzt. Nach einiger Zeit beruhigte ich mich wieder und ging zurück ins Haus. Geschichten von mindestens 20 Toten pro Jahr über die Weihnachtsfeiertage verblassten. Noch im Vorjahr war es undenkbar über die Feiertage das Haus zu verlassen nachdem es dunkel war. Leute wurde ausgeraubt und noch schlimmeres, wenn sie nicht sofort alles Hab und Gut aufgaben. Auf jeden Fall war es mal etwas völlig anderes für mich. Aufregung pur, manchmal echte Angst, vermischt mit ständig wachsendem Interesse an der Kultur und Lebensweise der Leute hier.

Unser Projekt läuft sehr gut. Das Team, das das ambulante Ernährungsprogramm betreibt, fährt ständig die umliegenden Dörfer an, um die Patienten dort zu versorgen bzw. schwer Unterernährte in das stationäre Ernährungszentrum (ITFC) in unserere Basis zu bringen.

Ambulantes Ernährungsprogramm

Ambulantes Ernährungsprogramm

Im stationären Ernährungszentrum gibt es zur Zeit ca. 10 Kinder, die intern versorgt werden. Es sind Kinder, die entweder sehr stark unterernährt sind, oder zusätzlich zur Unterernährung noch Krankheiten haben. Tuberkulose, Malaria, HIV/Aids oder Dehydration sind nur einige davon.

Anfang Jänner hatten wir auch ne kleine Impfkampagne hier im ITFC. Wir hatten Hepatitis-B Impfstoffe aus Kampala bekommen, die für unsere lokalen Mitarbeiter gedacht sind. Als Logistiker war ich nun voll im Geschäft und konnte ne kleine ColdChain einrichten, um den Impfstoff davor zu bewahren, zu warm zu werden. Im Regelfall werden die Impfstoffe zusammen mit gefrorenen Kühl-Akkus in speziell isolierte Boxen gepackt und aus diesen Boxen heraus verabreicht.

Impfkampagne

Hepatitis-Impfkampagne

War schon ganz witzig Menschen zu sehen, die noch nie geimpft wurden. Einige unserer Guards, komischerweise diejenigen, die sonst am härtesten wirkten, kamen zu mir und wollten wissen wie sehr es denn schmerzen werde, mit diesen langen Nadeln in den Oberarm gestochen zu werden. Ich konnt’s mir natürlich nicht verkneifen ihnen zu sagen, dass ich mich nicht daran erinnern kann, weil bei uns speziell dieser Impfstoff Kleinkindern verabreicht wird um ihnen die Möglichkeit zu geben, diese unerträglichen Schmerzen bis ins Erwachsenenalter wieder zu vergessen. Sie sprangen voll darauf an und ich hatte alle Hände voll zu tun, mich irgendwie unter Kontrolle zu halten, nicht loszulachen.
Im Endeffekt ging alles gut, kein Wehklagen der Anwesenden, allenfalls vor Lachen stöhnende Zuseher und nach 2 Stunden war der ganze Spuk auch wieder vorbei.

Für mich ist nun Feierabend und ich hau ab ins Guesthouse. In Uganda sagt man “Let’s call it a Day and we shall meet tomorrow”

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Karamojong Party

Dezember 29, 2008 | admin

Am 20. Dezember erreichte ein Brief vom Verantwortlichen des staatlichen Gesundheitszentrums, in dem unser Projekt angesiedelt ist, unser Büro. Es war eine Einladung zu einer Weihnachtsparty, mit allen Verantwortlichen und Angestellten der Gesundheitsbehörden in Tokora, zu der auch Ärzte ohne Grenzen geladen waren.

Da unser Projektkoordinator gerade nicht in Tokora war, ging ich hin, gemeinsam mit Jeanette, der deutschen Ärztin aus unserem Team. Später kam noch Sheikh vorbei, ein Krankenpfleger aus Sierre Leone und Team-Leader in unserem Projekt, und leistete uns Gesellschaft.

Als wir ankamen war die Party bereits im Gang, es waren ungefähr 40 Gäste anwesend, und als wir den Raum betraten schnappten uns die Gastgeber und brachten uns zu unseren Plätzen ganz vorne vor den anderen Gästen. Es gab Lautsprecher und ein Mikrophon und wir wurden offiziell begrüßt und von allen sehr freundlich willkommen geheißen.

Zu trinken gab es „NGAGWE“: Ein riesiger Tontopf mit einem lokalen Gebräu, einer fermentierten Mischung aus Sorghum (eine Hirseart), Wasser und anderen Zutaten. Das ganze wird  laufend mit heißem Wasser aufgefüllt. Das Besondere ist, dass man sich auf ganz bestimmte Art vor dem Tontopf niederlegen muss und dann das Ngagwe von einer speziellen Person serviert bekommt. Ich wurde aufgefordert, das zu machen und wollte zunächst den Älteren den Vortritt lassen, doch dann kam einer von ihnen zu mir, nahm mich bei der Hand und führte mich zu dem Topf. Das Getränk schmeckt nicht unähnlich wie österreichisches Bier, und nach dem ersten Schluck war klar, dass man damit sehr vorsichtig umgehen muss :-))

Nach dieser Zeremonie legte ein DJ sehr nette Karamojong Music auf und die Frauen begannen zu tanzen. Nach kurzer Zeit stiegen einige Männer ein, und bald darauf war die Tanzfläche voll mit Leuten, die zu dieser super Musik tanzten. Die erste von uns war Jeanette, die Ärztin, und es sah aus als hätte sie großen Spaß dabei. Dann kam Sheikh aus Sierra Leone dazu, der weiß, wie man zu afrikanischer Musik tanzt.

Ich genoss in der Zwischenzeit die Party, plauderte mit ein paar Leuten über dies und das, als plötzlich eine Frau auf mich zu kam. Es war klar dass sie tanzen wollte und alle Leute schauten auf mich und fragten sich, was ich tun würde. Wir fingen an zu tanzen, die Leute klatschten, einige tanzten mit und plötzlich war ich von tanzenden Frauen jeden Alters umgeben, und wir hatten riesigen Spass.

Die Party ist voll im Gang

Die Party ist voll im Gang

Die Party war eine super Einführung in die Karamojong Kultur. Die Menschen hier sind sehr stolz darauf nicht nur Ugander, sondern besonders Karamojong zu sein. Sie haben viel gelitten, haben Dürren, Viehdiebstahl, Hunger und Mangelernährung durchgemacht. Trotzdem haben sie nicht verlernt zu feiern, wann immer sie die Chance dazu haben, und wie man Gäste willkommen heißt und ihnen das Gefühl gibt, hier zu Hause zu sein und dazu zu gehören.

Am 22. Dezember organisierten wir dann unsere eigene Weihnachtsfeier mit den Angestellten unserer Klinik. Wieder war es eine Gelegenheit für mich, zu tanzen (für die die mich kennen: Wirklich! Manchmal macht sogar mir das Tanzen Spass :) )

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Angekommen in Uganda…

Dezember 20, 2008 | admin

Mein Flugzeug ist am Mittwoch den 10. Dezember in Entebbe (Kampala) gelandet. Dort hat mich ein Taxifahrer abgeholt und in das Ärzte ohne Grenzen-Guesthouse in Kampala gebracht. Am nächsten Tag ging es dann los mit den Briefings durch das Koordinations-Team: Als erstes traf ich Habtamu, den Logistik-Koordinator auf Hauptstadt-Ebene. Er wird während meines Einsatzes mein direkter Ansprechpartner bezüglich Logistik sein. Dann habe ich mit Janet gesprochen, der medizinischen Koordinatorin, die für alle medizinischen Fragen im Zusammenhang mit den MSF-Projekten in Uganda zuständig ist. Als nächstes kam Kodjo, der Einsatzleiter für Uganda und in dieser Funktion gesamtverantwortlich für unsere Einsätze in Uganda. Es war ein sehr interessantes Gespräch, das mir eine ganz neue Sicht auf meine zukünftige Arbeit in Karamoja gab. Der Letzte, der mich mit Informationen fütterte, war Ambrose, der Finanzkoordinator, der sich um alle finanziellen Angelegenheiten kümmert.

Mond über Kampala

Mond über Kampala

Am Freitag früh ging’s dann mit einem Fahrer nach Tokora, eine schöne siebenstündige Fahrt durch verschiedene Regionen Ugandas. Jetzt richte ich mich langsam in Tokora, meiner Heimat für die nächsten Monate, ein. Als erstes versuche ich, alle Mitarbeiter kennenzulernen, zu schauen wer wofür verantwortlich ist, wer wann arbeitet und so weiter.

Das MSF-Büro in Tokra

Das MSF-Büro in Tokora

Das Projekt ist bereits gut eingespielt. Wir haben ein therapeutisches Ernährungszentrum innerhalb eines ugandischen Gesundheitszentrums, wo wir schwer unterernährte Kinder behandeln. Außerdem betreiben wir ein ambulantes Ernährungsprogramm mit zehn Außenposten. Dort fahren wir zu fixen Zeiten mit unseren Autos hin, um therapeutische Nahrung an unsere Patienten auszugeben und Kinder auf ihren Ernährungszustand zu untersuchen und sie, falls sie schwer unterernährt sind, in das Ernährungszentrum aufzunehmen. Zusätzlich zu unserem Projekt in Tokora haben wir hier in der Region Karamoja einen weiteren Stützpunkt in Matany, von wo 14 weitere Außenposten angefahren werden.

Unterernährung ist in Karamoja zwar ein wiederkehrendes bzw. chronisches Problem, doch heuer ist die Lage besonders schlimm: Aufgrund einer großen Dürre konnten die Menschen nichts anbauen und nicht genügend ernten, um ihre Vorräte aufzufüllen. Mit unserem Programm zielen wir auf die Verringerung der durch Nahrungsmittelmangel verursachten Todesfälle, besonders bei Kindern unter 5 Jahren, die am stärksten gefährdet sind.

Unterwegs in Karamoja

Unterwegs in Karamoja

So weit läuft es gut, und die Zahl der Patienten beginnt zu sinken. Derzeit kümmern wir uns in den beiden Projekten Matany und Tokora um insgesamt ungefähr 1200 Patienten. Außerdem beobachten wir die Ernährungssituation genau, damit wir reagieren können, falls sich die Lage erneut verschlechtert.

Gemeinsam mit meinem Assistenten, Peter, bin ich für unsere medizinischen und logistischen Vorräte und den gesamten Nachschub verantwortlich. Dazu gehören Medikamente, therapeutische Nahrung, aber auch Hilfsmittel wie Computer, Werkzeug, Funkausrüstung, Autos und anderes. Jeden Tag in der Früh beginnen wir mit einem kurzen Briefing, damit das Team über die Pläne für den Tag am Laufenden ist. Wir fragen bei der Gelegenheit auch nach, ob einer unserer lokalen Mitarbeiter irgendwelche Gerüchte im Zusammenhang mit der Sicherheitslage gehört hat, denn gemeinsam mit dem Projekt-Koordinator muss ich sicherstellen, dass unsere Fahrten und unsere Arbeit sicher sind. Im Moment ist die Sicherheitslage ruhig und wir können unsere Arbeit ungehindert durchführen.

Zu meinen Aufgaben zählt auch die Kommunikation. Kommunikation ist ein wirklich wichtiges Thema, zum Beispiel um die aktuellen Standorte unserer Autos mitzuverfolgen und einen Überblick darüber zu behalten, was außerhalb unseres Stützpunktes, der „Base“, passiert. Die Kommunikation erfolgt über HF/VHF Funk, Handys und Satellitentelefone. In Tokora haben wir das Glück, meistens mit normalen Handys durchzukommen.

Während des Tages kümmere ich mich dann um alle mögliche administrative Arbeit, da mein Job auch die Abrechnung der Gehälter unserer lokalen Mitarbeiter, die Verwaltung von Gehaltsvorschüssen und so weiter beinhaltet. Gott sei Dank habe ich Peter an meiner Seite, der mich sehr stark unterstützt und viele der administrativen Aufgaben übernimmt.

Normalerweise sollten wir um 5 Schluss machen, aber meistens bleiben wir länger, um die „ruhige“ Zeit am Abend zu nützen und alles fertig zu machen, wozu wir im Laufe des Tages nicht gekommen sind.

So sieht also mein durchschnittlicher Tag hier aus.. Jetzt freue ich mich schon sehr darauf, zum ersten Mal mit dem Team, das die ambulanten Ernährungsprogramme betreibt, hinauszufahren und zu sehen, was außerhalb der „Base“ passiert…

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Amsterdam 2

Dezember 9, 2008 | vpelzmann

Um halb neun sitz ich wieder im Büro und höre zu.  Zuerst gilt es noch einige administrative Dinge zu erledigen und gleich danach hab ich die Möglichkeit mit einer sehr erfahrenen Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen zu quatschen, die gerade von einem Projektbesuch aus Uganda zurückgekommen ist. Sie erzählt mir genau wie es dort aussieht. Was die Herausforderungen sein werden und wie es grundsätzlich abläuft. Zum Beispiel gibt es wohl eine Dusche in dem Haus in dem wir wohnen werden und ein eigenes Zimmer für mich ist anscheinend auch drin.

Das Projekt hört sich für mich sehr sehr positiv an. Es ist auf zwei verschiedene Locations aufgeteilt. Das heisst es gibt zwei verschiedene Ernährungszentren, wo schwer unterernährte Kinder aufgenommen werden können. Zusätzlich gibt es noch ca. zehn Dörfer, die wir mit Geländefahrzeugen anfahren werden um zu sehen ob es schwer unterernährte Kinder gibt, bzw. um zu sehen wie wir den Menschen helfen können.

Bin schon sehr gespannt auf die Leute im Team. Ein ganzes Projekt kann mit einem Team stehen oder fallen. Wenn sich die Leute im Team nicht gut verstehen, wird auch das Projekt nicht so gut laufen. Wenn das Team gut harmoniert wird man auch sehr sehr viel Arbeit und schwierige Situationen wegstecken.

Am Nachmittag treffe ich Jacquy. Sie ist der Log den ich in Karamoja ersetze. Sie hat ein unglaublich gutes Hand-Over vorbereitet und nach dem Gespräch mit ihr fühl ich mich absolut bereit die Herausforderung anzunehmen.  Ich freu mich richtig auf morgen. Jetzt brauch ich nur noch den Flug nach Kampala so halbwegs zu überstehen und es kann losgehen.

stay tuned – there is a lot more to come….

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Amsterdam 1

Dezember 8, 2008 | vpelzmann

Im Office angekommen wartet bereits ein Briefing Plan auf mich. Darauf sind die ganzen Leute angeführt, die mir wichtige Info´s zu meinem Einsatz geben können. Es gibt ein “Communication & Energy” Briefing. Eines über “Cold Chain” (das Aufrechterhalten der Kühlkette, zb für Medikamente – eines der wichtigsten Dinge überhaupt im Bereich Logistik). Es gibt ein “IT – Briefing” und auch eins über “Administration & Finance”. Da gibts Informationen über das Land und den Kontext an sich und auch Info´s zu “Verhalten im Feld”. Unglaublich wie durchorganisiert das ganze ist. Ich begeb mich zu den einzelnen Personen, die schon warten und mich mit Informationen vollklopfen so gut es geht.

Am Nachmittag verlass ich müde, aber zufrieden das Büro und hau mich ins Hotel. “Für heute ist´s genug; Morgen ist auch noch ein Tag” –> das wird wohl das Motto für die nächste Zeit…

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