Malawi
Im Kampf gegen HIV/Aids in Chiradzulu

Retour in Österreich

22. September 2009

Seit 3 Tagen bin ich wieder in Österreich, und ich versuche gerade, den großen Teil meiner Freunde und Familie zu sehen. Man muss ja immer aufpassen, dass man sich nicht gleich anfangs zu sehr stresst, denn jeder will einen sehen, aber es ist natürlich auch schön… Doch man ist halt mit Herz und Kopf doch noch nicht ganz angekommen.

Die letzten Tage in Chiradzulu waren noch sehr gut, ich hatte eine intensive Zeit mit meiner Nachfolge Maude aus Frankreich, und ich konnte ihr wirklich viel erklären. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn man weiß, die Nachfolge hat eine ähnliche Linie und dass das, was man sich doch recht hart erarbeitet hat, weitergeführt wird.

Ich bin sehr froh, nun auch ein HIV-Projekt von Ärzte ohne Grenzen kennengelernt zu haben. Denn natürlich arbeite ich ja in Österreich auch mit HIV-positiven Patienten, doch es ist doch recht anders in unserer High-tech Medizin. Für mich war es interessant zu sehen, wie man mehr als 20.000 Leute betreuen kann, und es ist  für Malawi eine extrem  wichtige Arbeit. Mit der antiretroviralen Therapie und guter Betreuung können die Menschen mit der Krankheit leben, und dank der Prophylaxe von Mutter zu Kind Übertragung sind Babys nicht mehr so gefährdet, krank geboren zu werden. Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, dass es wirklich klappt, mit den wenigen Hilfsmitteln, doch die Länge der  Patienten  in Therapie, ihr Wohlbefinden, die Testergebnisse der Babys und natürlich auch die Gespräche mit den Patienten zeigten mir, dass es sehr wohl funktioniert. Das war für mich eine großartige Erfahrung!

Es ist ein riesiges Projekt, und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis es gänzlich an die Regierung übergeben werden kann, denn es fehlen einfach noch Ressourcen im Land Malawi, speziell das Personal und Budget. So wird Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in Malawi noch einige Jahre dank Ihrer Spenden weiterführen!

Vielen Dank für das Lesen der Blogs,
Eure Maria

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Die Tage sind gezählt..

11. September 2009

Die Tage sind gezählt :) , am 16. flieg ich nach Johannesburg und dann in der Nacht weiter nach Paris! Meine Nachfolge ist da und ich bin sehr froh, mit ihr genug Zeit verbringen zu können, denn es sind echt viele Dinge zu übergeben, und ich hatte ja leider diese Gelegenheit nicht als ich ankam. Ich musste mir meinen Weg suchen, doch ich glaube meine Nachfolgerin hat die selbe strikte Art wie ich, vielleicht nicht nicht immer zur Freude der lokalen Nurses, doch auf jeden Fall zum Wohl der Patienten!

Heute hatte ich das letze Nurses-Meeting und es war recht friedlich, keine heiße Abschiedszeremonie, doch morgen gehen wir tanzen und da kommen dann ein paar Leute, und um halb 6 Uhr früh am Samstag geht’s zum See, noch einmal schwimmen für dieses Jahr, bevor ich in die Kälte komme..

Heute morgen hatten wir wieder einmal Glück im Unglück… Ich weiss auch nicht, manchmal sendet mich Gott wohl schon an den richtigen Fleck: Wir wollten ein Healthcenter besuchen, doch irgendwie entschied ich in letzter Sekunde, dass wir doch auch in einem anderen vorbeischauen sollten; wir kamen an und eine Frau hatte einen schweren Asthmaanfall und der Medical Assistant hatte keine Medikamente.. Naja, wir hatten auch nur einen Spray, doch ein Auto, und so fuhren wir mit ihr eine halbe Stunde zum Krankenhaus, versuchten mit Plastiksackerl und Spray sie irgendwie zu beruhigen und als wir kamen informierte ich unsere Ärztin und sie kümmerte sich um sie. Gott sei Dank ging am Weg alles gut, denn wir waren doch ein bisschen schnell und haben ein Huhn überfahren, dass nur mehr die Federn flogen, doch ich glaube der Besitzer sah, dass wir in Eile waren!

Tja, das sind so die täglichen Adrenalinschübe, freu mich echt auch schon wieder auf das Krankenhaus zuhause, wo man immer einen Doktor zur Hand hat und vor allem Medikamente!!! Sonst geht’s gut, muss heute eine Nachtschicht einlegen, da ich morgen meine Review habe und es sind etliche Fragen zu beantworten..

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Der Abschied naht

7. September 2009

Nun, es kommt ja immer anders als man denkt bei MSF, dafür müssen wir flexibel sein, smile, also ich komm nun doch nicht vor dem 17. hier weg, da ist mein Flug nach Paris, dann ist Wochenende in Paris und Anfang der Woche Debriefing, und dann geht’s weiter nach Wien.

Bin noch ziemlich eingespannt die Tage, ich möchte noch etliches erledigen, damit meine Nachfolge ein angenehmes Einarbeiten hat und, naja, es kommt einiges auf sie zu. Nach vielen schwierigen Situationen mit dem lokalen Personal wird das wohl der erste Einsatz, wo ich beim Abschied nicht weinen werde, naja, noch ist der Tag noch nicht da,  da sind doch viele Leute, die ich sehr ins Herz geschlossen habe, ich darf nicht unfair sein!

Letzte Woche hatten wir echt riesen Glück: Ein Baby, 1 Jahr und 4 Monate alt, mit sehr sehr schwerer Malaria, nicht ansprechbar und mit Krämpfen, kam in unser Healthcenter. Wir brachten es in das Krankenhaus und Mwenya übernahm es und meinte, sie glaubt nicht, dass es die nächste Stunde überlebt. Nun, wir nahmen Blut ab und auf dem Glas zerronn es wie Wasser, wir hatten so etwas noch nie gesehen, doch nachdem sie Blutkkonserven von ihrer Tante erhielt,  war sie am Abend wieder ansprechbar und am Dienstag konnte sie entlassen werden, weil sie wieder gesund war. Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wie schnell Kinder zwischen Leben und Tod gondeln! Dank sei Gott hatten wir schnell genug reagiert! Das sind die Momente, wo ich echt weiss, warum ich hier bin!!!

Wir hörten dass der Kollege, der im Tschad entführt war, freigekommen ist nach beinahe einem Monat, es hat uns alle sehr betroffen, und wir sind sehr glücklich über diese Nachricht!

Nun, ich genieße noch die letzten afrikanischen Tage hier, Sonne jeden Tag, denn es wurde nun auch wieder schön warm, die Musik und die Einfachheit des Lebens hier!

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25. Juli 2009

Wieder eine Woche vergangen, es ist schon der Hammer wie schnell die Zeit vergeht, es ist schon fast August und immer noch superkalt hier, sitze gerade mit Tee und Fleecejacke vor dem Laptop!

Ich komme gerade von einem Training der MOH VCT Counsellor und Medical Assistants. VCT Counsellor machen die HIV-Tests und die Gespräche mit den Patienten, die Medical Assistants sind verantwortlich für die Healthcenter. Das Training beinhaltete den Gebrauch von DBS (Dry blood spot), das heißt einer Art HIV-Test für Babys mit dem man sie schon mit 6 Wochen testen kann. Nächste Woche ist dann das praktische Training in den Healthcenters und dann geht’s los, es ist ein Erfolg, diese Tests zu haben, denn sie ermöglichen eine sehr frühe Diagnose!

Nun, ein anderes Problem sind gerade unsere Medikamentenlieferungen vom Global Found, es ist in aller Munde, dass es in diversen Ländern zu einem Engpass kommen könnte, wir kämpfen natürlich stark dagegen und ich hoffe echt, dass die Lieferung rechtzeitig kommt. Es wäre ein fatales Chaos, wenn die Patienten ihre Medikamente nicht zeitgerecht erhalten. Wir haben ein paar Leute am AIDS-Kongress in Kapstadt und ich hoffe sehr, dass sie Erfolg haben.

Sonst gibt es nicht viel Neues, unser “Flying Mechanic” verabschiedete sich heute und wir sind alle total traurig, denn er war echt eine Bereicherung für unser Team. Ansonsten viele Krankenstände, viel Arbeit und, naja, nur mehr zwei Monate hier, muss schon langsam an die Evaluierungen denken, damit ich nicht wieder so einen Stress habe wie in Uganda, ich fang’ im August gleich mal an.

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Probleme…

20. Juli 2009

Ich habe gehört es soll auf 2000m schneien in Österreich! Naja, bei uns ist es auch immer noch etwas frostig, tagsüber geht’s eigentlich recht gut, obwohl es recht windig ist, aber nachts kühlt es gehörig ab (naja, gehörig ist so unter 10 Grad denke ich, wir haben aber kein Thermometer – auf jeden Fall ist es ohne Heizung kalt).

Heute blieb ich mal in Chiradzulu, denn ich bin in mein neues Heim gesiedelt, und da schlief ich gleich viel besser. Es ist ein kleines Haus, ein Tukul wie man hier sagt, und es ist echt total nett, es ist am Ende des Gartens, und es ist etwas ruhiger, die Guards hört man nicht, denn bei Schichtwechsel um 6 Uhr sprechen sie meistens laut, und die Autos hört man auch nicht, es tut gut, außer dass eine ziemliche Invasion von Spinnen dort ist. Ich hab mich zwar immer noch nicht angefreundet mit denen, aber ich kann wenigstens schlafen.

Arbeitstechnisch gibt es nicht viel neues, außer dass ich schon manchmal sehr verzweifle. Die Nurses sind schwer zu motivieren und auf die Frage meines Fieldcoordinators kürzlich, was wäre wenn ich frühzeitig ausfallen würde, wer mich ersetzen könnte, hatte ich keine Antwort. Mein “End of Mission” wird am 30. September sein, doch ich sagte zu meiner FieldCo dass ich auch gern früher gehen würde, falls sie Ersatz finden würden.

Dies ist mein dritter Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen, und gleichzeitig mein schwierigster, obwohl dieses Land so friedlich ist und die Arbeit wirklich viel bringt: 20.000 Menschen im Chiradzulu District erhalten HIV Behandlung, mit und ohne ARVs, das ist schon echt erstaunlich und ich bin immer wieder sehr fasziniert davon, wie wir das bewerkstelligen, doch es sind wohl die vielen kleinen Dinge, Probleme mit der Medikamentenlieferung usw…….die Liste ist endlos.

Dieser Eintrag ist nicht sehr positiv, aber auch das gehört zum Alltag, der zu Hause ja auch nicht immer gut ist, oder? Aber im Großen und Ganzen geht’s mir recht gut, wir machen uns schon unseren Spass und versuchen, uns nicht unterkriegen zu lassen.

Ach ja , ich glaube ich habe noch nicht erzählt, welche Delikatessen es hier gibt: gegrillte Mäuse auf Spießen, da stehen junge Burschen an der Strasse um sie zu verkaufen, mit Haut und Haar und Schwanz, ich war total schockiert doch die meisten von unseren nationalen Mitarbeitern sagen es sei eine Delikatesse und ich sollte es mal versuchen. Nein danke! Letztens wurde ich zum Essen eingeladen und ich ass Ziegenleber, das war schon das höchste der Gefühle, naja ich mag Leber eh ganz gern und es ist echt nicht so schlecht.

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Diagnose Meningitis

20. Juni 2009

Whow wie die Zeit vergeht, nun war ich 2 Wochen nicht in Blantyre…

Bei mir ist immer einiges los: Arbeitstechnisch versuchen wir ab Montag alles etwas umzustrukturieren, ich hoffe es klappt, der Dienstplan ist nun total anders, wir versuchten alle Nurses, Clinical officer und Counselor in den Healthcentern zu tauschen, denn in manchen Teams hat sich ein wenig Trägheit eingeschlichen und auch eine Unflexibilität, falls man mal wo anders aushelfen sollte, Männer weigern sich in PMTCT (Prävention der Übertragung von HIV von der Mutter zum Kind) zu arbeiten, obwohl sie gelernte Hebammen sind usw… mal schaun, die Laune ist nicht die Beste aber manche begrüßen es auch, und, naja, man kann es nicht allen recht machen! Es wird spannend!

Diese Woche verbrachte ich die meiste Zeit mit einer frisch trainierten Nurse, nach dem dreiwöchigen HIV-Managementkurs ist nun ein zweiwöchiges Training „on the Spot“ dran, dass heißt am Patienten. Wir haben 8 Nurses und wir sind leider nur 4 Personen die für die Trainings Zeit haben, also dauert das ganze einige Wochen, und nebenbei versuchen wir noch, die Evaluierungen für alle Nurses zu machen. Naja, der Tag vergeht mir immer viel zu schnell. Diese Woche hatten wir eine komatöse Patientin im Healthcenter, sie wurde auf einem Truck gebracht und sie hatte sehr hohes Fieber, wir gaben ihr Infusionen, Antibiotika und Glucose 50% (mein Wundermittel in Uganda für die Cholerapatienten, um sie ein bisschen zu stabilisieren) und sie wachte auf, jedoch sehr desorientiert und mit steifem Nacken, konnte nicht ins Licht blicken, also vermutliche Diagnose Meningitis, nun, ich versuchte eine Ambulanz zu organisieren und besprach mit Dr. Mwenya, dass wir sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus überweisen würden. Dort wurde gleich die Lumbalpunktion vorbereitet und die Diagnose wurde bestätigt, Gott sei dank keine Kryptokokken, jedoch es ist noch nicht ganz klar ob es eine TB-Meningitis ist. Auf jeden Fall ernste Lage für das 20 jährige Mädchen, das gerade mit HIV-Therapie gestartet hat. Diese Woche erhielten wir auch ein neues Medikament, eine fixe Kombination mit 3 Inhaltsstoffen, ab Montag müssen wir schauen, dass es den Patienten richtig vermittelt wird.

Tja die Arbeit ist schon recht spannend hier muss ich sagen!

Letztes Wochenende waren wir in Mulanje, dem höchsten Bergmassiv in Malawi, ich erklomm natürlich nicht die 3.000m aber wir wanderten und schwammen nahe dem superkalten frischen Wasserfall! Es war herrlich entspannend. Gestern war die Party von Roxanne, es erinnerte mich sehr an Indien, seine Frau mit Sari und das Essen gewaltig gut, es war super, die 4 Kinder eines hübscher als das andere, unser MedCo Ayub kam mit seiner Familie mit 4 Kindern plus ein paar Freunden, wir waren 10 Expats von Chiradzulu! Grund der Feier war 10 Jahre verheiratet und der kleine Sohn wurde 2….

Ab 27. hab ich dann 1 Woche Urlaub und wir haben uns ein Auto geborgt um nach Sambia zu fahren, der Lab Tech Robert, Pharmazeutin Severinne und Mwenya und ich. Freu mich schon sehr obwohl Malawi so cool ist und es eh Erholung ist wenn man am Wochenende Ausflüge machen kann, doch Urlaub ist immer gut, und das heißt auch dass dann schon 3 Monate meines Einsatzes um sind.

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Die erste kleine Maria

8. Juni 2009

Diese Woche veranstalten wir für die Ministry of Health-Nurses eine Einführung in die neue Nurse Guideline, dies dauert das ganze Wochenende. Die Guideline wurde erneuert, da sich das Programm etwas verändert hat und wir auf Grund der vielen Patienten versuchen, die Besuche etwas zu vereinfachen. Die meisten Patienten werden von den Krankenschwestern angeschaut und die komplizierteren Fälle und die Kinder werden von den Clinical officer gesehen. Dies bedeutet natürlich eine große Verantwortung für die Krankenschwestern und sie müssen sich sicher sein in der Diagnose von opportunistischen Infektionen und jeglicher Arzneimittelgegenreaktionen. Die meisten sind jedoch sehr gut geschult und da lerne ich noch sehr viel dazu, doch einige brauchen schon starke Unterstützung, besonders die älteren Schwestern.

Diese Woche verbrachte ich die meiste Zeit mit einer Schwester, die von ihrer Babykarenz zurück kam. In Malawi dauert der Karenz einen Monat vor der Geburt und 3 Monate nach der Geburt. Tja also, die Schwester stillte noch ihr Baby und aufgrund der Arbeitszeit musste sie natürlich umstellen. Das Baby war nicht erfreut, erzählte sie mir.

Nun, gestern war ich bei dem HIV Training, das wir gerade für einige neue Schwestern veranstalten, es dauert 3 Wochen und ist sehr umfassend, leider hab ich nicht soviel Zeit hinzufahren, da ich in den Healthcenters gebraucht werde. Wir haben ein Trainingsteam, 2 clinical officer, die geschult wurden von den Trainingsverantwortlichen aus Paris, die beiden veranstalten die Trainings für die diversen Berufsgruppen, ich bin recht froh darueber, da ich neben der Arbeit in den Healthcenter kaum Zeit hätte, Trainings vorzubereiten.

Letzte Woche waren unsere Head of mission und unser Medical Coordinator in Paris, in dieser Woche wurde das Projekt durch diskutiert, wie es weitergeht in den nächsten Monaten, dieses Treffen ist 2 Mal pro Jahr. Der neue HOM und Med Co waren auch dort, und sie werden dann am 15 Juni nach Malawi kommen, wir sind schon recht gespannt, die neue Head of Mission ist aus Amerika und der Med Co aus dem Sudan. Es stehen dann sicher Veränderungen ins Haus. Ab Juli übersiedelt das Koordinationsteam von Blantyr nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi. Ich hoffe wir erhalten dann ein Internet in Chiradzulu, das ist immer noch Thema, denn mit der Telefonkarte ist es unmöglich, Dateien oder Bilder zu schicken oder mehrere Mails gleichzeitig.

Zwei Monate sind seit Beginn meines Einsatzes vergangen, die Zeit vergeht sehr schnell, finde ich. Meine Kollegen übertrugen mir kürzlich eine neue Aufgabe, ich bin jetzt für das Essen verantwortlich, bzw muss das Geld von den Kollegen kassieren und dann dem Koch die Summe geben, die er benötigt um wöchentlich für uns das Essen zuzubereiten. Dr Mark, der dieses Amt zuvor hatte, verlässt uns im Juli, nach einem Jahr Aufenthalt hier. Ich bin zwar nicht begeistert über diese Aufgabe aber was tut man nicht alles, smile.

Gestern abend waren wir in unserem kleinen Restaurant in Chiradzulu, im einzigen hier, es war total nett, wir spielten Billard mit den Leuten vom Dorf die echt gut sind, und Grace, die Inhaberin, bereitete ein fantastisches Huhn zu. Sie war die letzten 4 Wochen nicht hier, ihr Mann lud sie zum 15. Hochzeitstag nach Mombassa ein, wir vermissten sie sehr, sie ist eine Seele, eine total liebe, freundliche Frau.

What else, wir mussten gerade recht lachen, denn ich gab Severinne meine Briefe mit und sie bezahlte 160 Kwacha pro Brief, ich bezahlte letztens fuer die Karten 100 Kwacha und in einem anderen Postamt 75 Kwacha pro Brief, tja das ist Afrika, jedes Postamt hat andere Preise, mal schauen welche Post ankommt, smile.

Ach ja, eine Neuigkeit gibt es noch, die erste kleine Maria ist geboren: Einer unserer Fahrer wurde Vater und ich gratulierte ihm und fragte nach dem Namen, und er sagte “Maria natürlich”. Ich freute mich sehr, es erinnerte mich an meinen Einsatz in Uganda, wo es dann plötzlich ein paar Marias gab.

Nun, bevor ich Schluss mache muss ich Euch schnell noch etwas erzählen: gestern gingen wir bei einem Marsch mit gegen den Hunger in der Welt, es war recht interessant, 8 km war die Distanz, mit vielen Schulkindern die die meiste Zeit sangen, heute hatte wir von den Organisatoren einen total netten Brief erhalten, sie hatten sich so gefreut, dass wir mitmachten.  Alles Liebe Maria

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Pfingsten

30. Mai 2009

Nun, eigentlich wollten wir heute zum Mt. Mulanje und dort übernachten, doch wir verschoben es auf nächste Woche, da eigentlich gestern die 10 Jahres Hochzeitsfeier von Roxanne gewesen wäre, doch seine Frau wurde leider krank (er ist hier für 2 Jahre mit seinen 4 Kindern und seiner Frau). Sie sind total nett, wollten uns zum Grillen einladen, naja, manche gingen auf die Geburtstagsparty von Ibrahima (Financial Coordinator aus der Elfenbeinküste) doch ich hatte keine Lust für Party, so spielte ich mit den beiden Severinnes Rummy und die Müdigkeit war wie weggeblasen, denn plötzlich war es Mitternacht.

Mir geht’s sonst wieder recht gut; hatte diese Woche  mal einen kurzen Hänger, war am Dienstag Nachmittag im Bett mit Kopfweh, Durchfall und Fieber, hatte kurz Panik weil ich meine Meningitis-Impfung noch nicht erhalten habe, aber heute geht’s mir wieder gut. War ziemlich gestresst die Tage und eine Massage täte gut oder ein bisschen Sport. Ich versuchte diese Woche mal joggen zu gehen, doch ich gab gleich wieder auf. Aber wir gingen wandern letzten Sonntag 2 h und das war total super. Ich bin total begeistert von der Landschaft hier, es ist so schön und grün und überall die Maisfelder und Teeplantagen und die Berge und Seen. Das Wetter hält auch, es regnete die Woche nicht mehr aber es ist recht kühl. In der Nacht brauche ich meinen Schlafsack.

Am Donnerstag war ich in einem Healthcenter und der neugewählte alte Präsident Dr Bingu kam in den Ort und hielt eine Dankesrede; er macht eine Tour durch das ganze Land; er war klar der Favarorit der Wahl; die Leute freuten sich sehr und es war ein Megaansturm, wir hatten deshalb nicht sehr viele Patienten.

Leider gelang es uns nicht, bei einem Baby Blut abzunehmen. Bei meinem Anblick schrie es wie am Spieß und ich nahm  die Mutter mit dem Kind dann mit zum Krankenhaus und ließ es direkt vom Labor abnehmen. Mein Kollege Robert, der Labortechniker, kam erst mal mit einem Saft und Keksen und das Baby grinste gleich wieder. Naja, so kriegt man Kinder auch rum; geschrien hat es dann trotzdem, aber ich war nicht mehr die Böse :)

Diese Woche kam ich gerade rechtzeitig als ein Babyboy geboren wurde. Es ist echt interessant, wie die Mütter nach der Geburt gleich wieder fit sind. Diese Woche erzählte mir eine Frau,  dass sie aus Ruanda geflüchtet ist. Ihre Eltern wurden im Genozid umgebracht und sie konnte sich retten. Nach Jahren traf sie hier in Malawi den Freund ihrer Schwester. Beide glaubten, die Schwester sei tot, und sie heirateten, denn sie sagte sich er ist ein Mann der das selbe miterlebt hatte und sie verstehen kann.

Es gäbe so viele Geschichten zu erzählen, ich bin immer wieder so erstaunt, wie Menschen ihre Lebensgeschichte bewältigen, doch ich bin auch froh, dass wir regelmäßige Gesprächstermine mit den Patienten vereinbaren. Jeder Patient wird alle 6 Monate und bei Bedarf öfter von unseren Counselors gesehen. Das Leben ist halt schon so ungerecht, ich darf gar nicht zu viel darüber nachdenken. Gerade gestern transportierten wir schwerkranke  Patienten ins Krankenhaus. Sie warten stundenlang auf eine Ambulanz (Rettung), und manchmal geht es wirklich ums Überleben, wir konnten ein kleines Maedchen mit einem gebrochenen Arm nicht mitnehmen, da wir keinen Platz mehr im Auto hatten und ihr Zustand nicht lebensbedrohlich war, sie sah mich mit Tränen in den Augen an, doch ich konnte nur hoffen, dass die Ambulanz vom Gesundheitsministerium bald kommen würde.

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Ein trauriger Tag

22. Mai 2009

Meine Telefonkarte funktioniert fürs Internet, juhuu, so bin ich ein bisschen öfter erreichbar hoffe ich!

Heute war leider kein guter Tag, obwohl die Wahl gestern so ruhig verlief. Ich sah mein erstes totes Kind in diesem Projekt, es war so traurig, ich war in einem Healthcenter und gerade dabei, mit einem Medical Assistent Patienten anzuschauen, als der Clinical Officer kam und mich fragte, ob wir ein Auto hätten, denn er hat ein sehr schwer krankes Kind das unbedingt ins Krankenhaus müsse. Nun, ich versuchte eines zu organisieren, doch es würde eine halbe Stunde dauern. Ich sah das Kind und es war echt in einem sehr schlechten Zustand, total ausgezehrt, es atmete fast nicht mehr, wir versuchten ihr noch eine Leitung zu legen um ihr Flüssigkeit und Antibiotika zu geben, doch es war zu spät, es starb in unseren Händen.

Der Clinical Officer sprach mit der Mutter, die sehr weinte, wir waren alle total traurig, die Mutter band das Kind dann auf den Rücken und musste so den langen Weg nach Hause gehen.Sie wollte nicht warten, bis jemand sie begleiten konnte. Dies sind die Momente, die mich  in die Realität Afrikas bringen, kein Hubschrauber, keine Intensivstation für ein schwer krankes, HIV-positives Kind, es ist echt traurig. Ich fragte mich, warum die Mutter so spät kam, doch die Umstände lassen es manchmal nicht anders zu, gestern wegen der Wahl war das Zentrum geschlossen und Kinder verschlechtern sich halt so schnell und die Distanz von den Häusern zum Gesundheitszentrum tut das Ihrige, stundenlange Fußmärsche.. Doch ich bin recht froh, dass dies nicht mein Alltag ist.

Gestern mussten wir ja in unseren Häusern bleiben, obwohl ein ganz normaler super schöner Tag war, doch unsere Vorschriften.. Also war ich gezwungen, endlich den Apfelstrudel zu machen. In jedem Projekt gibt es jemanden, der darauf besteht, dass ich es versuche, dieses Mal war es Mark, der TB-Doktor aus Amerika, und er versprach, Sound of Music zu singen. Ich mache Apfelstrudel nur alle 3 Jahre, wenn ich halt irgendwo im Ausland bin, doch mit Mamas Rezept gelang es recht gut und alle neun Kollegen waren begeistert und sie sangen, es war total nett. Ich hab diesen Film immer noch nie gesehen, und ich bin immer überrascht, die Amerikaner und Australier, jeder kennt ihn!

Nun denn, mach nun Schluss, es ist 20 Uhr, total finster und ich werd’ wohl bald schlafen. Bin heut um 4 uhr wach geworden!  Die streunenden Hunde und der Gockel vom Nachbarn lassen uns so frueh aufwachen!

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Dr. Banda’s Birthday

14. Mai 2009

Heute ist ein Feiertag, der Geburtstag des 1. Präsidenten nach der Unabhängigkeit, Dr. Banda. Wir kommen gerade von einer Einladung von unseren Kollegen der belgischen Sektion von MSF, sie veranstalteten einen “Social day”, mit Fußball, Volleyball und Netzball. Wir waren zu sechst von unserem Team und bildeten eine Volleyballmannschaft, leider verloren wir. Es war aber trotzdem total nett mal andere Leute zu treffen, Dignitas, eine kanadische Organisation war auch dabei, wir drei Organisationen behandeln HIV Patienten in drei verschiedenen Bezirken. MSF-Belgien ist in Thyolo, einem wunderschönen Bezirk mit ganz vielen Teeplantagen ca. eine Stunde von Chiradzulu entfernt.

Letzte Woche kamen einige der Nurses nicht zum PMTCT Training, und da sie sich auch nicht entschuldigten, obwohl ich beim letzten Meeting ganz klar darüber sprach, beschloss ich, sie zu mahnen. Da es aber einige betraf, die dieses Vergehen schon öfters begingen, ist die Prozedur etwas kompliziert. Normalerweise bekommt man zunächst eine mündliche Warnung und man schreibt einen Report für den Akt, danach kommen zwei written warnings, dies sind Briefe, die gemeinsam mit dem Projektkoodinator übergeben werden, tja, und danach wird der Vertrag gelöst. Es ging jedoch ganz gut und die zwei Pfleger erkannten den Fehler und nächste Woche muss ich noch mit zwei Schwestern sprechen.

Diese Woche besuchte ich wieder jeden Tag die Gesundheitszentren, es ist echt erstaunlich wie viele Patienten da am Morgen warten und wie geduldig sie sind. Wer zuerst kommt, malt zuerst, nur die wirklich Schwerkranken werden vorrangig gehandelt. Der Ansturm ist groß, die Menschen sind einfach total froh, dass sie die Medikamente gratis erhalten. Da so viele Menschen ( ca. 16 Prozent in Chiradzulu) mit HIV infiziert sind ist Stigma kein so Riesenthema. Und wir versuchen die Patienten, speziell die Schwangeren, hiv pos und neg, mit der gleichen Aufmerksamkeit zu betreuen.

Gerade fiel der Strom wieder aus, naja unser tägliches Manko um 18 Uhr, aber meist kommt er nach 2 Stunden wieder, hoffentlich auch heute. Am Dienstag sind dann die Wahlen; es ist recht ruhig, und wir hoffen es bleibt auch so.

Nun, da unser PMTCT (Mutter zu Kind Übertragungsprophylaxe von HIV) Manager nicht nach besetzt wird, wurde an mich herangetreten, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich habe ja nicht wirklich eine Hebammenausbildung, was ich echt bedauere, wäre sehr hilfreich, aber da ich zwei super tolle Assistenten habe, auf die ich recht vertrauen darf, werde ich es wohl erlernen. Und es ist echt eine super Sache: die ersten Kinder sind nun schon getestet und alle sind negativ, ich erwähnte es ja schon. Im September sind dann die 18 Monate vorbei und die Abschlusstests fällig.

Tja, what else, hab grad eine Grille hier herumschwirren, die bei Kerzenlicht schwer zu fangen ist. Diese Woche hatten wir schon einen Skorpion in Mwenyas Zimmer, sie hatte Malaria und war eigentlich krank und, naja, so schnell aus dem Bett wie schon lange nicht, die Arme. Es geht ihr wieder etwas besser, leider vertragen viele das Antimalariamittel nicht so gut. Es ist ein Problem, da es immer noch regnet und die Moskitos noch da sind. Ich vertrage mein Mittel relativ gut, die Träume, die ich manchmal habe schiebe ich nicht auf das Medikament, denn die hab ich zu Hause  genauso! Nun, diese Woche mussten wir die zweite Dosis von unserer super Medizin nehmen, wegen dem Baden im See. Es ist echt grausig und ich sagte grade heute ich verzichte lieber das nächste Mal aufs Baden als dass ich es wieder nehmen muss, denn ich hab heut noch Magenkrämpfe davon.

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